Alte Kaffeedosen

Historie

Die alten Speicherhäuser der Weserburg können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Bevor die Kunst in das Gebäude einzog, waren hier eine Tabakfabrik und später die Kaffeerösterei Schilling ansässig. 1893 erwarb zunächst die Zigarrenfabrik Ad. Hagens Co. die von der Firma C. Poppe auf dem Teerhof fertig gestellten Packhäuser Nr. 20 a bis d und errichtete 1897 die so genannte Hagensburg. Der Bau wurde unter der Leitung des Architekten Johann Rippe umgesetzt und bildete den spektakulären Abschluss der Teerhofbebauung vor dem Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die beiden neogotischen Tortürme sorgten für eine Auflockerung in der natürlichen Eintönigkeit der Packhauszeilen und stellten einen Blickfang besonders von der Kaiserbrücke aus dar (heute umbenannt in Bürgermeister-Smidt-Brücke).

Historische Aufnahme um 1870 – 1930

1923 kaufte die Kaffeerösterei Gebrüder Schilling den Gebäudekomplex und betrieb dort fortan Import, Rösterei und Versand von Kaffee. Mit dem Beginn der Kaffeerösterei änderte sich der Name Hagensburg in Weserburg. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude auf dem Teerhof schwer beschädigt. 1944 lagen sie nach dem 159. Bombardement größten Teils in Ruinen - die Weserburg war fast gänzlich zerstört. Bereits 1949 konnte sie wieder aufgebaut werden und auch die Rösterei Schilling nahm den Betrieb erneut auf. 1973 musste das Traditionsunternehmen nach insgesamt 50 Jahren den Kaffeebetrieb schließen und verkaufte die Weserburg an die Stadtgemeinde Bremen.

Historische Aufnahme um 1945

In den folgenden Jahren eroberte die kulturelle Szene das Gebäude. Künstler richteten sich Ateliers ein, das Moks-Theater und die Städtische Galerie fanden hier neue Freiräume. Insgesamt beherbergte das Gebäude über 20 kulturelle und soziale Einrichtungen. Auch die 1980 gegründete GAK - Gesellschaft für Aktuelle Kunst fand ihr Domizil in der ehemaligen Kaffeerösterei. Während einer ihrer Ausstellungen, der Präsentation von Werken Edward Kienholz' aus der Sammlung Onnasch, wurde die Idee geboren, ein Sammlermuseum für Bremen zu gründen. Bis zur Umsetzung sollte es allerdings noch mehrere Jahre dauern.

Die Brücke zur Gegenwart: Am 14. November 1988 wurde durch Beschluss der Bürgerschaft der Freien Hansestadt Bremen-Stadtgemeinde die Stiftung "Neues Museum Weserburg Bremen" gegründet. Die Gründungsmitglieder waren die Stadt Bremen, der Kunstverein in Bremen sowie die Sammler Hans Grothe, Anna und Gerhard Lenz, Reinhard Onnasch und Hartmut Ackermeier. Der Umbau des Gebäudekomplexes erfolgte nach Plänen des Bremer Architekten Wolfram Dahms.

Am 6. September 1991 wurde schließlich das Neue Museum Weserburg Bremen in den alten Speicherhäusern unter der Leitung von Thomas Deecke eröffnet. Das Museum war in Europa ein absolutes Novum. Erstmals wurde das Konzept eines Sammlermuseums umgesetzt, in dem die Dauerausstellung ausschließlich mit Exponaten privater Leihgeber bestückt wurde. Durch das Engagement von Thomas Deecke ist es gelungen, mehrere herausragende Sammlungen aus dem In- und Ausland langfristig an das Haus zu binden. Auf 6.000 m² Ausstellungsfläche wurden seitdem in zahlreichen Ausstellungen und Sammlungspräsentationen Werke der zeitgenössischen Kunst gezeigt. In kurzer Zeit konnte sich das Haus national und international ein besonderes Ansehen erarbeiten. Erinnert sei an erfolgreiche Ausstellungen wie 'Die Kunst und das schöne Ding' (1995), 'Picasso, Guston, Miró, de Kooning' (1997) oder auch 'Fondation Maeght'. Südliche Kunst unter nordischen Himmel' (2003). Viele Ausstellungen, die von den Kuratoren der Weserburg entwickelt wurden, sind zudem von bekannten Museen übernommen worden. Die Ausstellung 'Minimal Maximal'(1999) tourte beispielsweise über Spanien bis hin nach Japan (2001) und Korea (2002). 

Am 1. November 2005 übernahm Carsten Ahrens das Museum. Auf seine Initiative wurde am 1. Januar 2007 das Museum in "Weserburg | Museum für moderne Kunst" umbenannt. Unter seiner Führung hat sich die Weserburg besonders mit Einzelausstellungen zum Werk von Jörg Immendorff (2007) und Helmut Newton (2008) einem größerem Publikum geöffnet. Carsten Ahrens verließ das Haus im Juni 2013.

Sein kommissarischer Nachfolger wurde Peter Friese, der sich wieder auf die in der Stiftungssatzung benannten Verpflichtungen des Hauses konzentrierte: Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus Privatbesitz auszustellen. Und auf die im Sinne des ICOM Statutes –formulierten Kernaufgaben: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Doch stellt die Weserburg bei ihrer gegenwärtigen Zusammenarbeit mit Sammlern keine „Privatsammlungen“ aus, sondern schafft in sorgfältig kuratierten Präsentationen mit ausgewählten Werken dieser Sammlungen ein differenziertes Gesamtbild der Gegenwart.

Peter Friese wurde schließlich am 11. Juni 2015 zum Direktor ernannt und setzt den 2013 eingeschlagenen Kurs fort. In der aktuellen Praxis der Weserburg ergeben sich demnach klar definierte Aufgabenfelder: Große Sonderausstellungen zu zeitrelevanten Themen, welche sich vor allem aus den Sammlungen generieren und sich an ein breites Publikum richten, z.B. „Kaboom – Comic in der Kunst“, „Farbe im Fluss“, „Land in Sicht“ und 2016 „Mir ist das Leben lieber. Die Sammlung Reydan Weiss“. Zu den ganz neuen Ausstellungsformaten gehören die „Jungen Sammlungen“, eine Ausstellungsreihe, die in der Regel öffentlich noch nicht gezeigte Werke aus einer jungen Sammlung vorstellt. „Meisterschüler der HfK Bremen“, eine Reihe, die zusammen mit dem Karin Hollweg Preis einen wichtigen Beitrag zur Künstlerförderung bildet. Und last but not least „Künstlerräume“, in denen einmal jährlich aktuelle raumbezogene Werke aus eigenen Beständen, aus kooperierenden Sammlungen, und von eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern in spannende Dialoge gesetzt werden.

Doch auch der Kontakt zu den Sammlern wurde intensiviert. Die enge Beziehung zur „Stiftung Situation Kunst“ in Bochum führte 2015 zur sehr erfolgreichen Ausstellung „Land in Sicht“, die Kooperation mit der Act Art Collection von Siggi Loch generierte die Ausstellung „Art in Music“ – zusammen mit wunderbaren Jazz-Konzerten. Neue kooperierende „Junge Sammlungen“ kamen hinzu: die Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl (Hamburg), die Sammlung von Kelterborn (Frankfurt) und die Sammlung Ivo Wessel (Berlin). Und auch zukünftig wird das Haus das Ziel verfolgen, mit anspruchsvollen Sammlungspräsentationen, Themenausstellungen und Retrospektiven einen spannenden Einblick in eine sich immer komplexer darstellende Gegenwart über die Kunst zu vermitteln. Für BesucherInnen jeden Alters und jeder Herkunft. Für eine interessierte Öffentlichkeit in Bremen und darüber hinaus.

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Christine Breyhan
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