Die Sammlungen

Seit der Eröffnung im Jahre 1991 zeigt die Weserburg Kunst aus mehreren europäischen Privatsammlungen. In ihnen kommt die lebendige Vielfalt der zeitgenössischen Kunst auf eine besondere Art und Weise zur Anschauung. Anders als öffentliche Institutionen sind die privaten Sammler als Kunstliebhaber nur ihrem eigenen Urteil verpflichtet. Indem sie ihren persönlichen Vorstellungen und Leidenschaften folgen, entstehen Sammlungen mit einem unverwechselbaren Charakter.

Während der eine Sammler gezielt das Werk eines Künstlers über Jahrzehnte hinweg verfolgt oder sich insbesondere für eine einzelne Kunstrichtung begeistern kann, ist ein anderer auf der steten Suche nach bestimmten Themen und Motiven oder zielt auf einen Dialog verschiedener Positionen untereinander ab. Die Weserburg schafft auf diese Weise einen Raum, in dem unterschiedliche Sichtweisen einander begegnen und öffentlich diskutiert werden können. Das Museum arbeitet mit den meisten Sammlungen bereits über viele Jahre eng zusammen. Das so entstandene gegenseitige Vertrauen ermöglicht es, in groß angelegten Sonderausstellungen und kleineren Präsentationen die verschiedenen Aspekte der Sammlungen einem interessierten Publikum vorzustellen.

 

Daniel Richter, Blau, 1995, ACT Art Collection / Siegfried Loch © VG BILD-KUNST, Bonn 2008

ACT Art Collection / Siegfried Loch

Als Musikproduzent und Gründer des Jazzlabels ACT hat Siegfried Loch immer wieder Brücken zwischen Musik und bildender Kunst geschlagen. So hat er zahlreiche Musiker dazu inspiriert, Kompositionen zu Bildern seiner Sammlung zu schreiben und nicht selten solche Werke für seine Sammlung ausgewählt, die den Dialog zwischen Musik und Kunst spiegeln. Seit dem Erwerb eines Bildes von Ernst Wilhelm Nay mit dem Titel "Blauklang" widmet sich der Sammler in immer intensiverer Weise dem Thema der Farbe Blau. So ist über die Jahre eine thematisch gebundene Sammlung entstanden, die mit Werken herausragender Künstler unserer Zeit das Faszinosum der Farbe Blau umkreist.

Gerhard Richter, Schädel mit Kerze, 1983, Sammlung Böckmann, Foto: Joachim Fliegner

Sammlung Böckmann

Die Künstler der Sammlung Böckmann werden über viele Jahre begleitend gesammelt. Dies ermöglicht es, künstlerische Entwicklungen auf einmalige Art und Weise sichtbar zu machen. Von herausragender Bedeutung ist eine große Werkgruppe mit Gemälden von Gerhard Richter, die in den letzten Jahren in immer wieder neuen Zusammenhängen präsentiert wurde. Darüber hinaus umfasst die Sammlung bedeutende Gemälde und Skulpturen von Gotthard Graubner, A.R. Penck, Olaf Metzel, Hermann Nitsch und anderen.

Norbert Radermacher, Die Schale, 1996, Sammlung Finkenberg

Sammlung Finkenberg

Aus der Sammlung Finkenberg werden vorwiegend Werke von Künstlern gezeigt, die an den Grenzen des Bildnerischen bzw. Skulpturalen angesiedelt sind. So hat Rolf Julius eigens für das Museum einen Raum mit Klangskulpturen gestaltet. Norbert Radermacher intervenierte in das Gebäude selbst, indem er die Außenmauer des Museums kreisrund durchbohrte. Eine weitere Arbeit Radermachers findet sich im Eingangsbereich. Hier hat der Künstler in einer gewöhnlichen Bodenplatte eine kleine goldene Schale eingelassen.

Dieter Roth, Die Geschichte, 1968, Sammlung Gerstner

Sammlung Gerstner

Das Sammlerinteresse des Schweizer Künstlers und Grafikdesigners Karl Gerstner gilt insbesondere seinen Künstlerfreunden: Einzelgängern, in deren Werk Leben und Kunst ineinander übergehen bzw. solchen Künstlern, deren Werk obsessionell bestimmt ist. Gezeigt werden in wechselnden Präsentationen Werke von so bedeutenden Künstlern wie Arman, George Brecht, Christo, Robert Filliou, Raymond Hains, Dieter Roth, Daniel Spoerri, André Thomkins, Jean Tinguely und Dorothee von Windheim.

Michelangelo Pistoletto, Dono di Mercurio allo specchio, 1971/92, Courtesy Sammlung Goetz

Sammlung Goetz

Die Sammlungstätigkeit der Münchnerin Ingvild Goetz erstreckt sich über die mediale Vielfalt der heutigen künstlerischen Ausdrucksformen. Neben Zeichnungen, Grafiken, Gemälden und Fotografien liegt ein Schwerpunkt auf Video- und Filmarbeiten, raumbezogenen Installationen und Mehrfach-Projektionen. Die Sammlung umfasst insgesamt 4.000 Arbeiten von über 300 Künstlern. Im eigenen Museumsgebäude, das von Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen und 1993 fertig gestellt wurde, werden die Sammlungsbestände in wechselnden Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. [mehr]

 

 

Plakat zur Ausstellung "Komm und Sieh. Sammlung von Kelterborn" in der Reihe Junge Sammlungen
Plakat zur Ausstellung "Komm und Sieh. Sammlung von Kelterborn" in der Reihe Junge Sammlungen

Sammlung von Kelterborn

Schwerpunkt dieser außergewöhnlichen Sammlung aus Frankfurt am Main sind gesellschaftsbezogene, philosophisch hintergründige und politisch brisante Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler. Das Sammlerpaar von Kelterborn ist davon überzeugt, dass Kunst uns in die Lage versetzt, „Gegenwart“ in ihrer Komplexität, in ihren Widersprüchen und Grausamkeiten, aber auch in ihrem durchaus positiven Potential begreifbar, ja auch über die Sinne und den Verstand erfahrbar zu machen. Ihr besonderes Interesse gilt Foto- und Videoarbeiten. Konzeptkunst und mit Sprache und Texten arbeitende Neonskulpturen finden sich ebenfalls in der unverwechselbaren Sammlung. Kunst, wie sie in der Sammlung von Kelterborn zusammenfindet, bietet keine wohlfeilen Lösungen. Ihr gelingt es aber mit ästhetischen Mitteln die komplexen Widersprüche, zugleich auch die potentiellen Freiräume und Chancen menschlichen Zusammenlebens sichtbar zu machen.

Blick in die Sammlung Lafrenz mit Werken von Alan Charlton, Johannes Esper und James Reineking

Sammlung Lafrenz

Internationale Malerei, Skulptur und Installation der 1960er Jahre bis zur Gegenwart charakterisiert die Sammlung Lafrenz. Im Mittelpunkt des Sammlerinteresses steht Kunst, die einen konzeptionellen Ansatz verfolgt und sich insbesondere durch die Verwendung weniger bildnerischer Elemente auszeichnet. Zu nennen wären Künstler wie Carl Andre, Donald Judd, On Kawara, Sol LeWitt und Richard Long. In der Präsentation wird besonderer Wert auf den Dialog zwischen den Werken unterschiedlicher Künstler gelegt. So konnten in den letzten Jahren im Zusammenspiel mit Werken der Sammlung Reinking die spannungsreichen Bezugnahmen junger Künstler auf frühe Positionen der Minimal Art sichtbar gemacht werden.

Richard Prince, Nurse Forrester's Secret, 2002–03, Foto: Joachim Fliegner

Olbricht Collection

Der Essener Endokrinologe und Biochemiker Thomas Olbricht sammelt Gegenwartskunst aus Überzeugung und Leidenschaft. Inzwischen zählt die Olbricht Collection mit ihren etwa 1.700 internationalen Werken zu den wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst überhaupt. Sie genießt im In- und Ausland, vor allem in der Fachwelt ein zunehmend hohes Ansehen, was schließlich dazu führt, dass renommierte Kuratoren bei Thomas Olbricht immer wieder um Leihgaben für ihre Ausstellungen bitten. In der Tat gibt diese Sammlung nicht nur einen Überblick über das gegenwärtige Kunstgeschehen, sondern enthält auch wirkliche Spitzenwerke, die bereits als "Ausstellungs-Highlights" internationale Beachtung gefunden haben. [mehr]

Johannes Wohnseifer, Colourfield Disaster, 2002, Sammlung Reinking, Foto: Bettina Brach

Sammlung Reinking

Aus der Sammlung des Hamburgers Rik Reinking wurden in den letzten Jahren vornehmlich solche Werke präsentiert, die im kritischen Rückbezug auf Kunstrichtungen wie Konzeptkunst und Minimal Art eigenständige künstlerische Formulierungen suchen. So wurden beispielsweise Werke von Liam Gillick, Thom Merrick, John McCracken und Dan Peterman gezeigt und mittlerweile klassisch zu nennenden Positionen der 1960er Jahre gegenübergestellt. Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung ist das Feld der so genannten Urban Art, eine Kunstform, die erst seit wenigen Jahren verstärkt in den Fokus einer kunstinteressierten Öffentlichkeit gerückt ist.

Weitere Informationen finden Sie unter sammlungreinking.de

Marcel Duchamps, Rotorelief, 1935/65, Sammlung Maria und Walter Schnepel © VG BILD-KUNST, Bonn 2008

Sammlung Maria und Walter Schnepel

Seit vielen Jahren sammeln Maria und Walter Schnepel Skulpturen, Bilder, Collagen, Objekte, Zeichnungen, Grafiken, Editionen, Dokumente und Ephemera jener Künstlergeneration, die man heute unter dem Begriff der internationalen Fluxusbewegung zusammenfasst. Jener sowohl avantgardistische als auch aufrührerische, ja neodadaistische Geist manifestierte sich seit den 1960er Jahren in Europa, den USA und Japan. Die Fluxus Künstler verweigerten sich den Museen, veranstalteten die ersten Happenings und Aktionen und nutzten alle damals verfügbaren Medien für ihre antibürgerlichen und nicht affirmativen Kunstwerke.

Plakat zur Ausstellung "Nullpunkt aller Orte. Sammlung Sohst-Brennenstuhl" in der Reihe Junge Sammlungen
Plakat zur Ausstellung "Nullpunkt aller Orte. Sammlung Sohst-Brennenstuhl" in der Reihe Junge Sammlungen

Sammlung Sohst-Brennenstuhl

Die Sammlung Sohst-Brennenstuhl ist eine junge Hamburger Privatsammlung, die hauptsächlich aus Werken von Künstlerinnen und Künstlern besteht, die vornehmlich derselben Generation angehören wie das Sammlerehepaar. Auf diese Übereinstimmung legen Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl großen Wert. Das, was die beiden in der Kunst zu entdecken vermögen, hat Bezug zu ihrem eigenen Denken, ihren eigenen Wahrnehmungen, Fragestellungen und Erkenntnissen. Wenn man in diesem Sinne Gegenwartskunst als „Kunst unserer Zeit“ verstehen möchte, ist das, was die beiden an künstlerischen Äußerungen bewegt, fasziniert und zugleich Rätsel aufgibt, zu vergleichen mit einer besonderen, höchst differenzierten Zeit- und Gegenwartserfahrung. Die Sammlung Sohst-Brennenstuhl umfasst eine überraschende Vielfalt medialer Formen, von zarten Zeichnungen über Gemälde und Skulpturen bis hin zu raumgreifenden Installationen. Konzeptionelle Positionen stehen neben figurativer Malerei. Das große Format begegnet der Miniatur.

Sammlung Ströher

Das Schwergewicht dieser Sammlung liegt auf geschlossenen Werkgruppen wichtiger deutscher Künstler der mittleren Generation, von denen ein besonders starker Einfluss auf die Kunstszene der Bundesrepublik der letzten Jahre ausgegangen ist. Ein Kunstwerk der Sammlung ist aus dem Bremer Stadtbild kaum noch wegzudenken. Es handelt sich um eine Doppelskulptur des Künstlers Ulrich Rückriem. Sie steht unmittelbar vor dem Museum, dort wo die Bürgermeister-Smidt-Brücke die Spitze der Teerhofinsel berührt. Seit Eröffnung des Museums markiert diese Skulptur in überzeugender Monumentalität den Eingang in das Museum für moderne Kunst.

 

Chronologie der Sammlungen

Hier finden Sie eine Auflistung all der Sammlungen, die seit Gründung des Museums einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt worden sind.

 

 

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Christine Breyhan
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