Ray Johnson: Samuel Beckett, um 1960, Sammlung Maria und Walter Schnepel © Ray Johnson Estate, Courtesy Richard L. Feigen & Co.
Ausstellung | 2.06.2012 - 2.09.2012

Ray Johnson

I like funny stories | Sammlung Maria und Walter Schnepel
Die New York Times nannte ihn »den berühmtesten unbekannten Künstler in New York«. In der Tat ist Ray Johnson (1927-1995) lange Zeit ein Geheimtipp geblieben. Dabei sind die Bedeutung und der Einfluss seines Werks nicht hoch genug zu bewerten. Ray Johnson stand mit den wichtigsten Künstlern seiner Zeit, von John Cage bis Andy Warhol, in einem regen Gedankenaustausch. Kunst war für ihn ein kommunikativer Prozess, der sich auch abseits der etablierten Institutionen entfalten konnte. Dieser Idee folgend baute er in den 1960er Jahren unter dem Namen »New York Correspondance School« ein weitreichendes Netzwerk an Korrespondenzen auf und gilt damit als Begründer der internationalen Mail Art Bewegung. An seine Freunde und Bekannte, aber auch an Fremde schickte er per Post unzählige, zumeist kleinteilige Arbeiten. Zeichnungen, Collagen, überarbeitete Fotografien und Postkarten finden sich darunter, wie auch persönliche Anschreiben und kurze Notizen.

Von herausragender Qualität sind Ray Johnsons Collagen, die Aspekte und Materialien der Medien- und Popkultur einbeziehen. In neodadaistische Manier kombinierte er Ausschnitte aus Zeitungen, Magazinen, Comics und anderen Quellen, kaschierte sie zumeist auf Pappe und ergänzte sie mit Tuschezeichnungen, persönlichen Widmungen und Gedanken. Die ungewöhnlichen Bild(er)findungen zeugen von einer ungestillten Experimentierfreude, innovativer Kraft und einem feinsinnigen Humor. Er selbst prägte für  seine Collagen den Begriff „Moticos“, ein Anagramm des Wortes „osmotic“.

Ray Johnson hat seine Arbeiten in einem fortwährenden Prozess über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder bearbeitet und mit anderen Versatzstücken kombiniert. Einzelne Motive, wie der berühmte Bunny Head, ein stilisierter Hasenkopf, den Johnson als eine Art Signet verwendet, tauchen in verschiedenen Kontexten und Dekaden auf. In dieser Form hat sich eine komplexe Ikonografie ausgebildet, die das Werk von Ray Johnson unverkennbar macht. Zu den bekanntesten Arbeiten gehören seine Collagen mit den Porträts von Elvis Presley, James Dean und dem Lucky Strike Logo, die vor dem Hintergrund der Pop Art entstehen.

Grundlage der Ausstellung ist die in Bremen beheimatete Sammlung Maria und Walter Schnepel. Sie versammelt über 170 Werke und Dokumente aus den 1950er und 1960er Jahren. Die Privatsammlung verfügt damit über einen außergewöhnlichen Bestand früher Arbeiten des Künstlers. »A Book About Death« und das von dem Fluxus-Künstler und Freund Dick Higgins herausgegebene Künstlerbuch »The Paper Snake« bilden darunter besondere Höhepunkte. Die Originalarbeiten, die als Vorlagen für »The Paper Snake« verwendet wurden, können im Rahmen der Ausstellung nahezu vollständig präsentiert werden. Die Weserburg gibt damit auf eindrückliche Weise Einblick in die komplexen Denk- und Arbeitsmethoden des Ausnahmekünstlers Ray Johnson.

Die Privatsammlung Maria und Walter Schnepel genießt international großes Renommee. Schwerpunkt sind Werke der Fluxus-Bewegung aber auch künstlerische Positionen, die den Avantgardebewegungen der 1960er Jahre nahe stehen. Die Sammlung umfasst über 1300 Werke von so namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Arman, Joseph Beuys, George Brecht, Robert Filliou, Richard Hamilton, Yoko Ono, Dieter Roth, Takako Saito, Ben Vautier und vielen anderen. Seit 2002 ist die Sammlung mit bedeutenden Einzelleihgaben, wechselnden Präsentationen und Ausstellungen in der Weserburg vertreten.

Zur Ausstellung "Ray Johnson. I like funny stories" erscheint im Salon Verlag ein reich bebilderter Katalog mit einführenden Texten von Carsten Ahrens und Ingo Clauß. 128 Seiten, Broschur, 22 x 28 cm, Deutsch/ Englisch, 22,- Euro.

Mit freundlicher Unterstützung der Museumsfreunde Weserburg.


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