Andrzej Karmasz, Self-portrait. Nigerian woman from Fulani tribe, 2007, Signum Foundation
Ausstellung | 16.03.2018 - 2.09.2018

Where Does Your Heart Belong?

Werke aus der Signum Foundation
Die gleichermaßen an Herz und Verstand appellierende Ausstellung bietet einen Einblick in eine herausragende polnische Privatsammlung. Die hier gezeigte pointierte Auswahl an Arbeiten ist in dieser Form erstmals in Deutschland zu sehen. Die Werke stammen aus der in Poznań beheimateten, aber auch in Łódź und Venedig ansässigen Signum Stiftung, die 2002 von Hanna und Jarosław Przyborowski begründet worden ist. Ihre mediale Spannbreite reicht von Malerei, über Skulptur zu Performance- und Prozesskunst, über Fotografie, Neon-Textarbeiten, Konzeptkunst bis hin zu recht provokanten und verstörenden Selbst-Inszenierungen, in denen überkommene Rollenmuster kritisch hinterfragt werden. Die Liste der beteiligten Künstlerinnen und Künstler liest sich wie ein „Who’s Who?“ der polnischen Kunst.
Magdalena Abakanowicz, 5 Standing Figures, 1986-87, Signum Foundation
Magdalena Abakanowicz, 5 Standing Figures, 1986-87, Signum Foundation

Die beeindruckenden minimalistischen Interventionen des Neo-Avantgardisten Edward Krasiński, dessen internationale Bedeutung im letzten Jahr u.a. in der Tate Liverpool und im Stedelijk Museum in Amsterdam gewürdigt wurde, nehmen Beziehungen auf zu Roman Opałkas berühmten Zahlenbildern und Jarosław Kozłowskis skulpturaler Installation mit 550 Weckern. Die in den 1970er Jahren als Pionierin feministischer Kunst in Polen bekannt gewordene Natalia LL ist hier mit ihren auch heute noch provozierenden Fotoserien „Consumptive-“ und „Postconsumptive Art“ vertreten. Analog dazu eine nicht minder verstörende Hommage des Performerduos Grupa Sędzia Główny (Aleksandra Kubiak/Karolina Wiktor) aus dem Jahr 2006.

Grupa Sędzia Główny Aleksandra Kubiak i Karolina Wiktor, Hommage a Natalia LL, 2006, Signum Foundation
Grupa Sędzia Główny Aleksandra Kubiak i Karolina Wiktor, Hommage a Natalia LL, 2006, Signum Foundation

Auffallend ist der hohe Anteil an herausragenden weiblichen Positionen dieser vom Präses und Kurator der Stiftung Grzegorz Musiał zusammengestellten Auswahl. Hervorzuheben sind Katarzyna Kozyras „White Olympia“, ebenso Agata Michowskas „Suicide in the Museum“ und Ewa Partums „Hommage à Solidarność“. Die Arbeiten dieser Künstlerinnen sind nicht nur hochpolitisch, sondern überraschenderweise auch immer wieder subtil-humorvoll. Eine Besonderheit ist auch das in die Ausstellung integrierte berühmte Werk „One Million Years“ des Japaners On Kawara, das in der Lage ist, Dialoge und Korrespondenzen zwischen den hier ausgestellten 19 Positionen zu stiften und zu fördern.

Es geht um Kunst aus Polen als Teil der Weltkunst, um ihren Einfluss und ihre Querverbindungen zu internationalen avantgardistischen Strömungen. Aber immer wieder auch um ganz aktuelle politische und gesellschaftliche Bezüge, die uns alle betreffen. Und wenn in dieser Ausstellung der in Gdańsk lebende Andrzej Karmasz in einem Selbstportrait als nigerianische Frau des Fulani Volkes erscheint, in einem anderen ebenfalls sehr überzeugend als japanische Geisha, werden gleich mehrere Grenzen in verschiedene Richtungen überschritten. Was sonst könnte die Aufgabe der Gegenwartskunst sein!

Jarosław Kozłowski, personal Files II, 1997, Signum Foundation
Jarosław Kozłowski, personal Files II, 1997, Signum Foundation

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Magdalena Abakanowicz, Mirosław Bałka, On Kawara, Andrzej Karmasz, Eustachy Kossakowski, Jarosław Kozłowski, Katarzyna Kozyra, Edward Krasiński, Zofia Kulik, Natalia LL, Jacek Malczewski, Michał Martychowiec, Agata Michowska, Roman Opałka, Ewa Partum, Małgorzata Potocka, Grupa Sędzia Główny, Krzysztof Wodiczko, Stanisław Ignacy Witkiewicz (Witkacy).

Mit freundlicher Unterstützung durch

Das Projekt wurde organisiert in Kooperation mit dem Adam-Mickiewicz-Institut im Rahmen von Culture.pl und des internationalen Kulturprogramms POLSKA 100 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Wiedererlangung von Polens Unabhängigkeit. 

Das Projekt wird kofinanziert vom Ministerium für Kultur und Nationalerbe der Republik Polen als Teil des mehrjährigen Programms NIEPODLEGŁA 2017–2021.

 

jazzahead! Festival 2018 - Partnerland Polen - Konzerte in der Weserburg

Die Ausstellung verläuft parallel zum jazzahead! Festival 2018 mit dem Partnerland Polen. Geplant sind in diesem Rahmen und darüber hinaus mehrere Konzerte mit polnischen Jazzmusikern in der Weserburg u.a. ein Clubkonzert im Rahmen der beliebten jazzahead! clubnight am 21. April. Weitere Informationen zum Programm unter jazzahead.de

Konzert, Sonntag, 8. April 2018, 16:30 Uhr:

Waldek Leczkowski & Lukasz Flakus Duo

Temperamentvoller Jazz gemischt mit souligem Blues und polnischer Folklore. Im Rahmen der jazzahead! 2018. Eintritt 12/8 Euro. Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Bremen AG

Konzert, Samstag, 21. April 2018, 20 Uhr:

Marcin Wasilewski Trio

Das Marcin Wasilewski Trio ist einer der hellsten Sterne der polnischen Jazz-Szene. Die Band verbindet auf faszinierende und einzigartige Weise Jazz-Traditionen mit zeitgenössischen Klängen. Im Rahmen der jazzahead! clubnight 2018. Eintritt 25/20 Euro (Eintritt für die gesamte jazzahead! clubnight). Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Bremen AG.


Eröffnung

Donnerstag, 15. März 2018, 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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