Cindy Sherman, Untitled #418, 2004, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York
Ausstellung | 19.05.2018 - 24.02.2019

Cindy Sherman

Werke aus der Olbricht Collection
Die Weserburg präsentiert 2018 einen ganz besonderen Sammlungsschwerpunkt der Olbricht Collection. Es geht um 60 Fotoarbeiten der Amerikanerin Cindy Sherman aus nahezu allen Werkphasen. Ein derart großes Konvolut an Bildern der weltbekannten Künstlerin wird damit zum ersten Mal in Norddeutschland zu sehen sein. Cindy Sherman hat die Debatten um „Weibliche Identität“, um gesellschaftlich verankerte Rollenmuster und die damit verbundenen Erwartungshaltungen und Klischees in aufrüttelnder Weise ins Bild gesetzt und so die feministischen Diskurse aufklärerisch beeinflusst. Doch machen die von Thomas Olbricht gesammelten Bilder augenfällig, dass das Werk weit darüber hinauszuweisen vermag. Es geht um existentielle Themen, um Träume, Ängste, Selbstentfremdung, Erschrecken und bisweilen verstörende Todesfantasien. Es soll in dieser Ausstellung darum gehen, die im Werk der Amerikanerin vorhandene Vielfalt, Mehrdeutigkeit, Tiefe und den damit verbundenen Realitätsbezug des künstlerischen Ansatzes herauszuarbeiten und erkennbar zu machen.

Berühmt wurde Cindy Sherman Ende der 1970er Jahre mit ihren "Untitled Film Stills". In ihnen dokumentiert sie Frauendarstellungen, die an Szenen aus Spielfilmen oder Fernsehserien erinnern. Die Künstlerin selbst schlüpft in verschiedene Verkleidungen und Posen und verkörpert die sozialen Rollenmuster, in denen wir uns spiegeln und uns selbst wiederfinden. Die Ausstellung zeigt auch herausragende Beispiele der Werkgruppen "History Portraits", "Headshots", "Disasters" und "Sex Pictures" bis hin zu den Furcht einflößenden "Clowns", "Masks", "Horror and Surrealist Pictures". 

Cindy Sherman, Untitled Film Still #21, 1978, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York
Cindy Sherman, Untitled Film Still #21, 1978, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Faszination und Desillusionierung charakterisiert in besonderer Weise die Serie der "Headshots", die in einer gelungenen Auswahl von elf Arbeiten vorgestellt wird. Cindy Sherman verkörpert in dieser Serie Frauen mittleren Alters, die noch einmal ihre jugendliche Attraktivität beschwören und zugleich Gefangene ihrer Lebenszeit sind. Sie präsentieren sich in absichtsvoller Selbstverständlichkeit vor einer Kamera, die die ungewollte Vermischung von gewünschter und wahrhaftiger Erscheinung enthüllt.

Cindy Sherman Untitled #352, 2000, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York
Cindy Sherman Untitled #352, 2000, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

Cindy Sherman hält ihr Werk nach eigener Aussage nicht in einem aktiven und ausgewiesenen Sinne für feministisch. Ihre Beobachtungen als Frau in der heutigen Kultur sind zugleich Beobachtungen von Ängsten und Albträumen, von Gewalt und Todesfantasien. Sie mischen sich mit einem abgründigen Humor, der noch jedem ihrer Bildschrecken beiwohnt. Beispielhaft sind dafür die "Clowns", in denen sich Komik und Entsetzen, Faszination und Abscheu vermengen. Sie bilden einen Höhepunkt dieser fotografischen Inszenierung unserer Kultur. 

Die bewusste Auswahl solcher Bilder innerhalb der Olbricht Collection bietet mehr als einen umfassenden Einblick in das abwechslungsreiche Konzept, mit dem Cindy Sherman stereotype Frauenbilder in ihrer Doppelbedeutung von eindrucksvoller Anverwandlung und beklemmender Entlarvung vorführt. Die schockierenden Bilder, in denen Sherman Körperteile von Puppen und Mannequins in grotesker Verstümmelung arrangiert, weisen über das Thema inszenierter Weiblichkeit hinaus. In ihnen ist sie als lebendes Modell ihrer erschütternden Bilderfindungen gar nicht zu sehen. Diese die Grenzen des Verstehens tangierenden Beispiele des Obszönen bis hin zu Zerstückelungsfantasien sind in der Ausstellung gleich mehrfach zu finden. Cindy Sherman geht in ihrem Werk also über die Faszination hinaus, sich der prägenden Macht vorgefundener Rollen auszuliefern. Sie vermag am Ende aufzuzeigen, wie wir uns allmählich an Muster gewöhnen, die uns zutiefst erschrecken.

Cindy Sherman, Untitled #322, 1996, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York
Cindy Sherman, Untitled #322, 1996, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

„Cindy Sherman wird in der Öffentlichkeit als bedeutende feministische Künstlerin angesehen. Die von Thomas Olbricht zusammengestellten Werke machen deutlich, dass eine solche Charakterisierung der Vielfalt ihres Gesamtwerkes nicht gerecht wird. Die Künstlerin hat in der Tat die feministischen Diskurse der Gegenwart enorm bereichert. Doch geht es in dieser Ausstellung auch um existentielle Themen, um Träume, Ängste und bisweilen verstörende und erschreckende Gewalt- und Todesfantasien. Damit letztlich um ein tieferes Verständnis des Gesamtwerks dieser wichtigen Künstlerin.“ Peter Friese, Direktor der Weserburg

 

Mit freundlicher Unterstützung durch

Begleitprogramm

Die Ausstellung wird von einem ehrgeizigen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm begleitet. Dazu gehören Führungen, Vorträge, Diskussionen, Filme und mehrere Abende rund um das Werk der Amerikanerin. Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Programm für Schulen u.a. in enger Kooperationen mit der Bremer Schuloffensive, aber auch Projekte für Kinder und Jugendliche mit Quartier und anderen Partnern.


Eröffnung

Donnerstag, 18. Mai 2018, 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

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