Wade Guyton, Untitled, 2019
Ausstellung | 30.03.2019 - 5.01.2020

So wie wir sind 1.0

Die Sammlungspräsentation So wie wir sind 1.0 nimmt ab Ende März 2019 zwei Ebenen und damit über die Hälfte der gesamten Ausstellungsfläche der Weserburg ein. Die Ausstellung speist sich aus einer Vielzahl von privaten Sammlungen, von denen mehrere bereits seit Langem mit dem Haus verbunden sind und andere neu hinzukommen, sowie aus den eigenen Beständen und aus Leihgaben von Künstler*innen, die zum ersten Mal in der Weserburg gezeigt werden. So wie wir sind 1.0 stellt mehr als 140 Arbeiten und 80 Künstler*innen aus unterschiedlichen Kontexten und Zeiten unter inhaltlichen und formalen Fragestellungen zusammen. Das Ergebnis ist eine Abfolge von Räumen, die den verbindenden Faden von Kunstwerken seit den 1960er Jahren bis heute über alle Medien hinweg herausarbeiten und sich ihren Themen aus unterschiedlichen Perspektiven annähern. Dort wird z.B. (Abb)Bildern der Natur oder dem Besonderen im Alltäglichen nachgespürt, werden Körper, Zeit oder Erinnerung thematisiert, urbane Räume oder Aspekte von Sprache in den Blick genommen und grundlegende Positionen malerischer Abstraktion oder minimaler Formensprache gezeigt.
Agnieszka Polska, What the Sun has Seen, 2017, Miettinen Collection (Videostill)
Agnieszka Polska, What the Sun has Seen, 2017, Miettinen Collection (Videostill)

So lädt etwa Daniel Spoerri alltägliche Materialien wie Bierflaschen und Aschenbecher so geheimnis- wie humorvoll auf, während das Künstlerinnenduo FORT das Magische, gelegentlich sogar Unheimliche an scheinbar banalen Situationen herausarbeitet und Peter Piller das Lakonische eines Büroalltags zeichnerisch nachvollzieht. Da entdeckt Raymond Hains 1961 das malerische Potential von Plakatwänden und Klara Liden findet 2013 eine zeitgenössische Antwort. Oder da geht Richard Long in die Natur und schichtet das dort gefundene Material im Museumsraum zu aufgeladenen Kreisformationen, während Olafur Eliasson einen Indoor-Sonnenauf- oder untergang mittels Scheinwerfer inszeniert, Till Krause die Ergebnisse seiner konzeptuellen Spaziergänge zeichnerisch kartiert oder Elina Brotherus sich an romantischen Landschaftsdarstellungen reibt. 

Kitty Kraus, Ohne Titel, 2005-2009, Sammlung Lafrenz, Courtesy Galerie Neu
Kitty Kraus, Ohne Titel, 2005-2009, Sammlung Lafrenz, Courtesy Galerie Neu

Avantgarde-Bewegungen wie Fluxus, Nouveau Réalisme, Konkrete Kunst, Sound, Minimal oder Conceptual Art, für die Weserburg seither bekannt ist, bilden auch zukünftig wesentliche Schwerpunkte. Erweitert werden sie von Werkgruppen und wichtigen Einzelarbeiten national wie international bekannter Künstler*innen sowie überraschenden Neuentdeckungen, die den Weg über die 1980er und 1990er Jahre in die unmittelbare Gegenwart vollziehen. Die unterschiedlichen Themensetzungen werden darüber hinaus von zwei konzentrierten Räumen zu Wolfgang Tillmans und Mariana Vassileva erweitert.

Olafur Eliasson, Yellow Door Semicircle, 2008, Erling Kagge Collection, Foto: Astrup Fearnley Museum © Olafur Eliasson, courtesy the artist and Neugerriemschneider, Berlin
Olafur Eliasson, Yellow Door Semicircle, 2008, Erling Kagge Collection, Foto: Astrup Fearnley Museum © Olafur Eliasson, courtesy the artist and Neugerriemschneider, Berlin

Teilnehmende Künstler*innen

Etel Adnan, Carl Andre, Arman, Robert Barry, Ross Bleckner, Christian Boltanski, Viktoria Binschtok, Louise Bourgeois, Ulla von Brandenburg, George Brecht, Elina Brotherus, Erik Bünger, Peggy Buth, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkacova, Christo, Chris Curreri, Die Tödliche Doris, Peter Doig, Henrik Eiben, Olafur Eliasson, Robert Filliou, Berta Fischer, Urs Fischer, Ceal Floyer, FORT, Dani Gal, Isa Genzken, Liam Gillick, Katharina Grosse, Wade Guyton, Hans Haacke, Raymond Hains, Ane Mette Hol, Judith Hopf, Rebecca Horn, Leiko Ikemura, Sergej Jensen, Donald Judd, Šejla Kamerić, Emese Kazár, Ellsworth Kelly, Myong-Hee Ki, Thomas Kilpper, Willi Kopf, Kitty Kraus, Till Krause, Adriana Lara, Thomas Lehnerer, Klara Lidén, Richard Long, Christian Marclay, Achim Manz, John McCracken, Tracey Moffatt, Horst Müller, Henrike Naumann, Hermann Nitsch, Giulio Paolini, Giuseppe Penone, Peter Piller, Agnieszka Polska, Larry Poons, Charlotte Posenenske, Margaret Loy Pula, Daniel Rossi, Dieter Roth, Reiner Ruthenbeck, Takako Saito, Karin Sander, Richard Serra, Chiharu Shiota, Florian Slotawa, Kathrin Sonntag, Daniel Spoerri, Fiete Stolte, Hiroshi Sugito, Wolfgang Tillmans, Jan Timme, Jean Tinguely, Barthélémy Toguo, Marianna Uutinen, Mariana Vassileva, Jorinde Voigt und Corinne Wasmuht. 

Beteiligte Sammlungen

Art’Us Collectors’ Collective (neu), Sammlung Böckmann, Sammlung Gerstner, Kagge Collection (neu), Sammlung von Kelterborn, Sammlung Lafrenz, Miettinen Collection, Sammlung Florian Peters-Messer, Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Sammlung Norddeutsche Landesbank, Sammlung Volker Schmidt, Sammlung Maria und Walter Schnepel, Sammlung Christian Kaspar Schwarm, Sammlung Sohst-Brennenstuhl, Sammlung Reydan Weiss, Sammlung Weserburg I Museum für moderne Kunst, Sammlung Ivo Wessel, Sammlung Zentrum für Künstlerpublikationen sowie Leihgaben verschiedener Künstler*innen.

Ein serielles Ausstellungsformat

Das Ausstellungsformat So wie wir sind ist als mehrteilige Serie angelegt: Einmal im Jahr wird eine Variation und Auswechslung einzelner Werke oder ganzer Räume neue Lesarten der Gesamtpräsentation möglich machen und sie langfristig lebendig halten. Manches findet neue Nachbarn, verschwindet für eine gewisse Zeit oder taucht neu auf. So wie wir sind markiert eine konzeptuelle Neuaufstellung der Weserburg I Museum für moderne Kunst und gründet gleichzeitig auf das, was die Struktur und Arbeit des Hauses als Europas erstes Sammlermuseum auch für die Zukunft wesentlich ausmacht: Die enge Partnerschaft mit Privat- und Unternehmenssammlungen.


Eröffnung

Freitag, 29. März um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

SHOP

Mir ist das Leben lieber. Sammlung Reydan Weiss.

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