Geschichte

Nicolás Uriburu, Green Bremen, 2011, Performance zum Jubiläum "20 Jahre Weserburg" im Rahmen der Ausstellung Farbe im Fluss

Am 14. November 1988 wurde durch Beschluss der Bürgerschaft der Freien Hansestadt Bremen-Stadtgemeinde die Stiftung „Neues Museum Weserburg Bremen“ gegründet. Die Gründungsmitglieder waren die Stadt Bremen, der Kunstverein in Bremen sowie die Sammler Hans Grothe, Anna und Gerhard Lenz, Reinhard Konisch und Hartmut Ackermeier. Der Umbau des Gebäudekomplexes erfolgte nach Plänen des Bremer Architekten Wolfram Dahms.

Thomas Deecke (1991 bis 2005)

Am 6. September 1991 wurde schließlich das Neue Museum Weserburg Bremen in den alten Speicherhäusern unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Deecke eröffnet. Das Museum war in Europa ein absolutes Novum. Erstmals wurde das Konzept eines Sammlermuseums umgesetzt, in dem die Dauerausstellung ausschließlich mit Exponaten privater Leihgeber*innen bestückt wurde. Durch das Engagement von Thomas Deecke ist es gelungen, mehrere herausragende Sammlungen aus dem In- und Ausland langfristig an das Haus zu binden.

Auf 6.000 m² Ausstellungsfläche wurden seitdem in zahlreichen Ausstellungen und Sammlungspräsentationen Werke der Gegenwartskunst gezeigt. In kurzer Zeit konnte sich das Haus national und international ein besonderes Ansehen erarbeiten. Erinnert sei an erfolgreiche Ausstellungen wie „Die Kunst und das schöne Ding“ (1995), „Picasso, Guston, Miró, de Kooning“ (1997) oder auch „Fondation Maeght‘. Südliche Kunst unter nordischen Himmel“ (2003). Viele Ausstellungen, die von den Kurator*innen der Weserburg entwickelt wurden, sind zudem von bekannten Museen übernommen worden. Die Ausstellung „Minimal Maximal“ (1999) tourte beispielsweise über Spanien bis hin nach Japan (2001) und Korea (2002).

Carsten Ahrens (2005 bis 2013)

Am 1. November 2005 übernahm Carsten Ahrens das Museum. Auf seine Initiative wurde am 1. Januar 2007 das Museum in „Weserburg Museum für moderne Kunst“ umbenannt. Mit Einzelausstellungen zum Werk von „Jörg Immendorff“ (2007) und „Helmut Newton“ (2008) hat er die Weserburg einem größeren Publikum geöffnet. Unter seiner Leitung wurde zudem die Kooperation mit dem kek Kindermuseum begonnen, das bis heute mit seinen thematisch wechselnden Mitmachausstellungen junge Menschen für die Kunst der Gegenwart begeistert. Carsten Ahrens hat darüber hinaus die Ausstellung der Meisterschüler*innen der HfK Bremen erstmals an die Weserburg geholt, eine Reihe, die zusammen mit dem Karin Hollweg Preis einen wichtigen Beitrag zur Künstler*innenförderung bildet und bis heute jährlich in der Weserburg präsentiert wird.

Unter der Direktion von Carsten Ahrens fiel die schwierigste und auch denkwürdigste Phase in der Geschichte der Weserburg. Zur langfristigen Absicherung des Museums hatte sich die Stiftung Neues Museum Weserburg entschieden Werke der eigenen Sammlung zu veräußern und damit einen „Zukunftsfonds“ einzurichten. Im November 2010 wurde Gerhard Richters Gemälde „Matrosen“ (1966) und 2011 ein weiteres Gemälde, „Luciano I“ von Franz Gertsch, versteigert. Ein anderes Konvolut von 51 Kunstwerken ging durch das Engagement eines Förderers, der nicht genannt werden möchte, von der Weserburg in den Bestand der Kunsthalle Bremen über. Carsten Ahrens verließ das Museum im Juni 2013.

Peter Friese (2013 bis 2018)

Kommissarische Nachfolger von Carsten Ahrens wurde der langjährige Weserburg-Kurator Peter Friese, der sich auf die in der Stiftungssatzung benannten Verpflichtungen des Hauses konzentrierte, Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus Privatbesitz auszustellen. Peter Friese wurde schließlich am 11. Juni 2015 zum Direktor ernannt und setzte den 2013 eingeschlagenen Kurs konsequent fort: Große Sonderausstellungen zu zeitrelevanten Themen, welche sich vor allem aus den Sammlungen generieren und sich an ein breites Publikum richten, wie zum Beispiel „Kaboom. Comic in der Kunst“, „Farbe im Fluss“ und „Land in Sicht. 400 Jahre Landschaftsbilder“. Mit „Junge Sammlungen“ wurde zudem eine Ausstellungsreihe etabliert, die junge, bislang noch nicht in dieser Form an die Öffentlichkeit getretenen Privatsammlungen vorstellte. Neue Sammlungen kamen dadurch hinzu, die seitdem eng mit der Weserburg kooperieren, darunter die Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl (Hamburg), die Sammlung von Kelterborn (Frankfurt), die Sammlung  Ivo Wessel (Berlin), die Sammlung Christian Kaspar Schwarm (Berlin) und die Sammlung Florian Peters-Messer (Rheinland).

Peter Frieses Engagement ist es zu verdanken, dass die Kunstmäzene Karin und Uwe Hollweg der Weserburg einen besonderen Höhepunkt im Jahr 2018 beschert haben. Gemeinsam haben sie nichts Geringeres erreicht, als eine der bedeutsamsten Sammlungen mit Werken des Fluxus und des Nouveau Réalisme, die Sammlung Karl Gerstner, für die Weserburg und für Bremen zu sichern. Und nicht nur das: Auch den Ankauf der Sound Collection Guy Schraenen, eine der wichtigsten Klangkunstsammlungen weltweit, hat das Ehepaar Hollweg gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder ermöglicht. Ende September 2018 wurde Peter Friese in den Ruhestand verabschiedet.

Janneke de Vries (seit 2018)

Seit dem 1. Oktober 2018 ist Janneke de Vries neue Direktorin der Weserburg.

Geschichte des Gebäudes

Historische Aufnahme um 1870 – 1930
Historische Aufnahme um 1945

Die alten Speicherhäuser der Weserburg können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Bevor die Kunst in das Gebäude einzog, waren hier eine Tabakfabrik und später die Kaffeerösterei Schilling ansässig. 1893 erwarb zunächst die Zigarrenfabrik Ad. Hagens Co. die von der Firma C. Poppe auf dem Teerhof fertig gestellten Packhäuser Nr. 20 a bis d und errichtete 1897 die so genannte Hagensburg. Der Bau wurde unter der Leitung des Architekten Johann Rippe umgesetzt und bildete den spektakulären Abschluss der Teerhofbebauung vor dem Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die beiden neogotischen Tortürme sorgten für eine Auflockerung in der natürlichen Eintönigkeit der Packhauszeilen und stellten einen Blickfang besonders von der Kaiserbrücke aus dar (heute umbenannt in Bürgermeister-Smidt-Brücke).

1923 kaufte die Kaffeerösterei Gebrüder Schilling den Gebäudekomplex und betrieb dort fortan Import, Rösterei und Versand von Kaffee. Mit dem Beginn der Kaffeerösterei änderte sich der Name Hagensburg in Weserburg. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude auf dem Teerhof schwer beschädigt. 1944 lagen sie nach dem 159. Bombardement größten Teils in Ruinen – die Weserburg war fast gänzlich zerstört. Bereits 1949 konnte sie wieder aufgebaut werden und auch die Rösterei Schilling nahm den Betrieb erneut auf. 1973 musste das Traditionsunternehmen nach insgesamt 50 Jahren den Kaffeebetrieb schließen und verkaufte die Weserburg an die Stadtgemeinde Bremen.

In den folgenden Jahren eroberte die kulturelle Szene das Gebäude. Künstler*innen richteten sich Ateliers ein, das Moks-Theater und die Städtische Galerie fanden hier neue Freiräume. Insgesamt beherbergte das Gebäude über 20 kulturelle und soziale Einrichtungen. Auch die 1980 gegründete GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst fand ihr Domizil in der ehemaligen Kaffeerösterei. Während einer ihrer Ausstellungen, der Präsentation von Werken Edward Kienholz‘ aus der Sammlung Onnasch, wurde die Idee geboren, ein Sammlermuseum für Bremen zu gründen. Bis zur Umsetzung sollte es allerdings noch mehrere Jahre dauern.