Zentrum für Künstlerpublikationen
Ra­dio­kunst

Wolf Vostell, Umgraben, 1974, Foto: Andreas Buttmann

Das ko­ope­ra­ti­ve For­schungs­pro­jekt vom Zen­trum für Künst­ler­pu­bli­ka­tio­nen | We­ser­burg, der Uni­ver­si­tät Bre­men und der Uni­ver­si­tät zu Köln wid­met sich der sys­te­ma­ti­schen kunst- und me­di­en­his­to­ri­schen Er­for­schung der Ra­dio­kunst. Un­ter dem Be­griff der „Ra­dio­kunst“ wer­den da­bei zu­nächst alle Ra­dio­sen­dun­gen ge­fasst, die Künst­ler um und für das Ra­dio pro­du­ziert ha­ben. Wei­ter zäh­len hier­zu künst­le­ri­sche Ar­bei­ten, die über Ra­dio­sen­der oder In­ter­ne­tra­dio ver­öf­fent­licht wer­den, und/​oder die auf der Aus­strah­lung akus­ti­scher bzw. ra­dio­pho­ner Si­gna­le ba­sie­ren. Un­ter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung des di­gi­ta­len Ra­dio­kunst­be­stands im Zen­trum für Künst­ler­pu­bli­ka­tio­nen | We­ser­burg geht das von der VW-Stif­tung ge­för­der­te Pro­jekt der Fra­ge nach, wel­che Pa­ra­dig­men und Pa­ra­me­ter spä­tes­tens seit den 1960er Jah­ren in­ter­na­tio­nal zur Ent­ste­hung und Ent­wick­lung ei­ner Kunst mit elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en führ­te. In drei Teil­pro­jek­ten wer­den so der Ein­fluss der Tech­no­lo­gi­en auf die Ra­dio­kunst, ihr in­sti­tu­tio­nel­ler Kon­text und sei­ne Macht­struk­tu­ren so­wie As­pek­te der Ver­mitt­lung er­ör­tert.

Die Er­geb­nis­se der drei For­schungs­fel­der bil­den sich un­ter op­ti­ma­ler Aus­nut­zung der Syn­er­gie­ef­fek­te in drei Dis­ser­ta­tio­nen, ei­ner Mo­no­gra­fie, ei­ner Ta­gung mit Do­ku­men­ta­ti­on und in zwei Aus­stel­lun­gen ab.

Weitergehende Informationen zur Radiokunst finden sich auf der Online-For­schungs­platt­form des Zen­trums für Künst­ler­pu­bli­ka­tio­nen forschung-kuenstlerpublikationen.de.

Was ist Radiokunst?

Orson Welles, War of the Worlds (Cover)

Ra­dio­kunst – das sind Wer­ke, die Künst­le­rin­nen und Künst­ler spe­zi­ell für das Ra­dio ent­wi­ckel­ten: Klang- oder Ge­räusch­kom­po­si­tio­nen, Hör­spie­le, Ak­tio­nen oder Kon­zer­te, Sound Per­for­man­ces, Sa­tel­li­ten-Klang­skulp­tu­ren, So­und­scapes, Ra­dio­kunst­in­stal­la­tio­nen, ver­netz­te (Me­di­en-)Pro­jek­te bis hin zur elek­tro­akus­ti­schen Mu­sik. Ra­dio­kunst be­wegt sich in ei­nem künst­le­risch in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Be­reich im Kon­text der bil­den­den Kunst, der ex­pe­ri­men­tel­len Li­te­ra­tur und der Neu­en Mu­sik. Die­se Brei­te zeigt sich eben­falls in den Kunst­strö­mung, in de­nen die ver­schie­de­nen Wer­ke der Ra­dio­kunst ver­or­tet wer­den kön­nen: Con­cep­tu­al Art, Con­cep­tua­lism, Elek­tro­akus­ti­sche Kunst, Elek­tro­ni­sche Mu­sik, Di­gi­ta­le Mu­sik, Flu­xus, Land Art, Laut­poe­sie, Mail Art, Mi­ni­mal Art, Mu­si­que Con­crè­te, Neue Mu­sik, Per­for­mance, Pop Art, te­le­ma­ti­sche Kunst, Vi­deo­kunst, Vi­su­el­le und Kon­kre­te Poe­sie, usw.

Die Aus­ein­an­der­set­zung der Künst­ler mit dem Me­di­um Ra­dio er­folg­te zum ei­nen auf ei­ner in­sti­tu­tio­nel­len und zum an­de­ren auf ei­ner au­to­no­men Ebe­ne. Die Künst­le­rin­nen und Künst­ler, die in ih­ren Ate­liers oder in lo­ka­len Ra­dio­sen­dern seit den 1960er Jah­ren Ra­dio­kunst­sen­dun­gen pro­du­zier­ten, ha­ben das Ra­dio als In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum ver­stan­den und zum größ­ten Teil mit den ein­fachs­ten Mit­teln ge­ar­bei­tet. Auf die­ser Ba­sis wur­de mit all­täg­li­chen Ge­gen­stän­den und oft sim­pels­ter Tech­nik im­pro­vi­siert, aber so dass kon­zep­tio­nell, im Sin­ne ei­ner – auch von M. Glas­mei­er im Kon­text der Flu­xus-Be­we­gung for­mu­lier­ten – „Öko­no­mie der Mit­tel“, Wer­ke mit ei­ner be­son­de­ren künst­le­ri­schen Prä­gnanz ent­stan­den. Die­se be­ruht auch auf der Un­ab­hän­gig­keit von den Re­geln und Nor­men gro­ßer In­sti­tu­tio­nen und den äs­the­ti­schen Vor­stel­lun­gen von Re­dak­teu­ren und Re­gis­seu­ren.