Anys Reimann. Mirrorball

02.05.2026 - 04.10.2026
Collage von drei Schwarzen Frauen. Zwei schauen stolz aufgerichtet nach vorne, eine, die von hinten zu sehen ist, guckt zur Seite.
Anys Reimann, MOIRA, 2023, Art'Us Collectors' Collective, Courtesy the artist & VAN HORN, Düsseldorf, Foto: J. Bendzulla

Mit Mirrorball präsentiert die Weserburg Museum für moderne Kunst die erste museale Einzelausstellung von Anys Reimann (*1965, Düsseldorf). Die Künstlerin erforscht in ihren Werken das Spannungsfeld von Identität und Körper, von kultureller Zugehörigkeit und Repräsentation. Bekannt ist sie vor allem für Bildnisse Schwarzer Frauen: selbstbewusst, vielschichtig und herausfordernd zugleich. Westlich-kolonial geprägten Perspektiven setzt Reimann eigensinnige Bildwelten entgegen. Ihre Werke feiern das Hybride und Vieldeutige. Dabei verbindet sie klug Fragmente aus Kunstgeschichte, Film, Musik, Mode und Literatur zu einer vibrierenden, zeitgenössischen Mythologie. Ikonen und Außenseiterinnen, queere Bildsprachen und eine widerständige Schwarze Popkultur sind allgegenwärtig.

Die Ausstellung in Bremen gibt einen umfassenden Einblick in Reimanns jüngstes Schaffen: Großformatige Collage-Gemälde, rätselhafte Skulpturen aus Leder, Spiegelobjekte oder Körperabformungen mit geballten Fäusten. Viele Werke sind multisensorisch angelegt. Neben dem Visuellen spielen Geruch und Haptik eine wesentliche Rolle. So ist unter anderem eine Duftskulptur Teil der Ausstellung. Gerüche wie Patchouli, Weihrauch, Holz oder Kräuter spielen für die Künstlerin eine wichtige Rolle. Sie sind eng mit Erinnerungen verknüpft, die Reimann in ihren Werken aktiviert und so Persönliches mit Allgemeinem zusammenbringt.

Für Mirrorball entstehen mehrere neue Werke unter anderem ein schwarzer Garten im Museum – eine begehbare Installation in Gestalt eines Archipels mit ausnahmslos schwarzblühenden Pflanzen, ein sinnliches, beinahe unwirkliches Biotop, speziell für diesen Ort olfaktorisch angereichert.

Ausstellung auf Ebene 3

Eröffnung: 30. April 2026, 19 Uhr

Kuratiert von Ingo Clauß

Mit freundlicher Unterstützung von

Zur Person

Porträt Anys Reimann, 2024, Foto: Albrecht Fuchs

Anys Reimann wurde als Tochter einer Deutschen und eines Westafrikaners (Guinea) 1965 geboren. Sie ist im Ruhrgebiet und später in Düsseldorf aufgewachsen, wo sie auch heute lebt. Nach einem Studium der Innenarchitektur in Trier (1992 bis 1997), beruflichen Stationen u. a. in Produktentwicklung, Werksdesign und als freie Produktdesignerin studierte sie schließlich Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Grünfeld und Ellen Gallagher (2012 bis 2020).

Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20/K21, Kunstmuseum Bonn, Stiftung Kunstpalast Düsseldorf, Kunsthalle Mannheim, Sammlung Philara, Sammlung Scharpff-Striebich, Sammlung Haus N.

Einzelausstellungen (Auswahl): Bilker Bunker, Düsseldorf (DARK STAR BACKYARD, 2024), Galerie VAN HORN, Düsseldorf (2025, 2023) und Kunstverein Gera (Doppelausstellung mit Annegret Soltau, 2025)

Gruppenausstellungen (Auswahl): Max-Ernst-Museum Brühl (2025), Kunsthalle Düsseldorf (2025), Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr (2025), Staatsgalerie Stuttgart (2024), Kunsthalle Mannheim (2024), Kunstmuseum Bonn (2023)

Weitere Informationen unter http://anysreimann.com/nearness/

ARCHIPELAGO (2026)

Ansicht der Installation "ARCHIPELAGO"
Anys Reimann, ARCHIPELAGO, 2026, Courtesy the artist & VAN HORN, Düsseldorf, Foto: Tobias Hübel

ARCHIPELAGO ist Teil einer Werkgruppe Schwarzer Gärten, die Anys Reimann seit 2019 in verschiedenen Ausformungen sowohl in Innenräumen aber auch in Gartenanlagen im Außenraum realisiert. In der Weserburg formen fünf Bassins ein Archipel (eine Inselgruppe) aus dunkel- und schwarzblühenden Pflanzen. Die Pflanzen erscheinen als importierte „Exotik“, fremdartig und zugleich von besonderer Schönheit und Vielfalt. Die ehemalige Speicherarchitektur der Weserburg bietet für die Installation einen geschichtsträchtigen Rahmen, diente sie doch im 19. und 20. Jahrhundert als Ort des Handels, zunächst für Tabak, später war sie Kaffeerösterei. ARCHIPELAGO verweist damit auf Bewegungen von Gütern und Menschen, verbunden mit einer komplexen und vielfach belasteten Geschichten der Kolonialzeit.

In Anlehnung an Édouard Glissants Konzept des Archipels erscheinen die Inseln nicht als isolierte Einheiten, sondern als Körper im Austausch, als Netzwerk von Beziehungen und laden in diesem Sinne auch dazu ein neue Verbindungen und Geschichten entwickeln.

Pflanzen: Ajuga, Alocasia, Anthurium, Begonia, Calla,
Phalaenopses Debora, Philodendron, Phormium, Schlangenbart, Sempervivum, Zamioculcas

Pressestimmen

  • „Die Fülle ist beinahe überwältigend, aber dennoch wirkt alles, das sich aus dieser Fülle speist, in sich schlüssig und stringent, keineswegs beliebig und durchaus zugänglich.“ – Kreiszeitung, 2. Mai 2026
  • „Einfach schön.“ – Nordsee-Zeitung, 5. Mai 2026
  • „Selbstbewusst und herausfordernd.“ – NDR Kultur Journal, 27. April 2026
  • „Ihre Gemälde und Skulpturen zitieren Pop und Kunstgeschichte und kreisen in erster Linie um Haut, schwarze Haut.“ – art, 1. Mai 2026

Führung buchen

Anys Reimann, THE MELT II, 2025, Courtesy the artist & VAN HORN, Düsseldorf

Unser geschultes Personal führt Sie durch die Ausstellung, auf Wunsch auch zu speziellen Themen, in deutscher und englischer Sprache.

ab 100 Euro zzgl. Eintritt
Maximal 25 Personen pro Führung (60 Minuten)
Eine Anmeldung ist erforderlich

Informationen und Buchungsanfragen

Weserburg Museum für moderne Kunst
+49 (0)421 59839-0
info@weserburg.de

Broschüre und Playlist

Cover der Broschüre zur Ausstellung. Collagearbeit von Anys Reimann mit Titel.

Zu der Ausstellung gibt es eine Broschüre, welche im Museumsshop erhältlich ist oder hier runtergeladen werden kann.

Außerdem gibt es eine von der Künstlerin kuratierte Playlist.

 

"Anys Reimann. Mirrorball" in Leichter Sprache

Foto der Broschüre in der Ausstellung.

Zu Anys Reimann. Mirrorball gibt es eine Broschüre in leichter Sprache. Sie enthält allgemeine Informationen zur Ausstellung und den Arbeiten. Die Broschüre liegt kostenfrei in der Ausstellung aus oder kann hier heruntergeladen werden: Download