¯\_(ツ)_/¯

Meisterschüler*innen der HfK Bremen. Karin Hollweg Preis 2019

25.05.2019 - 11.08.2019
Michael Wilke, Der Traum der Könige, 2019

Die Ausstellungen der Meisterschüler*innen, die seit 2011 jährlich in der Weserburg stattfinden, geben einen facettenreichen Einblick in die Qualität und Vielfalt der aktuellen Kunstproduktion in Bremen. Ein besonderer Höhepunkt ist die an die Präsentation gekoppelte Verleihung des Karin Hollweg Preises. Mit insgesamt 15.000 Euro dotiert gehört er zu den wichtigsten Kunstförderpreisen an deutschen Kunsthochschulen. Die Hälfte des Preisgeldes ist für eine institutionelle Einzelausstellung in Bremen reserviert.

2019 sind 16 Künstler*innen an der Präsentation beteiligt, die ausnahmslos neue, zum Teil ortsbezogene Werke zeigt. Vertreten ist die gesamte mediale Breite von Malerei und Skulptur, über mehrteilige Installationen und Medienarbeiten bis hin zu überraschenden, in einem Museum für Gegenwartskunst nicht unbedingt zu erwartenden Werken, wie ein leise dahinplätschernder Wandbrunnen von Irene Strese. Stellvertretend sollen hier vier Positionen hervorgehoben werden:

Lukas Zerbst erprobt immer wieder die Grenzen und Möglichkeiten künstlerischer Praxis. So greift er für seine neueste Arbeit unmittelbar in die bestehende Museumsarchitektur ein. Eine massive Wendeltreppe im Ausstellungsbereich wird von ihm demontiert und in eine sich dynamisch in den Raum hineinragende Skulptur verwandelt.

Rima Radhakrishnan schlägt dagegen leise Töne an, wenn sie der phonetischen Textur deutscher Sprache nachspürt. Mit spielerischer Leichtigkeit befreit sie die Wörter von der Last des Alltags. Ihre poetischen Preziosen zeugen von einem Erfindungsreichtum, der kulturelle Eigenarten auf augen- und ohrenöffnende Weise freilegt und dabei zu eigenen Wortschöpfungen animiert.

Mattia Bonafini und Luisa Eugeni präsentieren eine multimediale Oper – ein eindrückliches und alle Sinne ansprechendes Raumerlebnis, das Videoprojektionen, Musik und performative Elemente verbindet.

Vertreten sind auch mehrere malerische Positionen. Vincent Haynes nimmt beispielsweise für seine Gemälde und Druckarbeiten mediale Bilder als Vorlage. Es sind Aufnahmen afrikanischer Politiker bei öffentlichen Auftritten und Inaugurationen, die Haynes in seinen Werken einer kritischen Untersuchung zugänglich macht. Die mediale Inszenierung von Macht im Zusammenspiel mit kulturellen Traditionen übt dabei eine besondere Faszination aus.

Eröffnung

Freitag, 24. Mai 2019, um 19 Uhr

  • Begrüßung
    Janneke de Vries, Direktorin Weserburg
    Prof. Dr. Martin Schulz, HfK Bremen
  • Einführung
    Ingo Clauß, Kurator
  • Jurybegründung
    David Bartusch, Vorstand Freundeskreis der HfK Bremen
  • Preisvergabe
    Karin Hollweg
  • Im Anschluss feiern wir gemeinsam im TAU, dem benachbarten Restaurant, bei Getränken, Chili und Musik.

Ausstellung auf Etage 3, 4 1/2 und 5

In Kooperation mit
Mit freundlicher Unterstützung durch

Künstler*innen

Tobias Becker, Mattia Bonafini, Luisa Eugeni, Sara Förster, Hairihan, Vincent Haynes, Luan Lamberty, Alina Lusici, Paula Hurtado Otero, Rima Radhakrishnan, Hassan Sheidaei, Irene Strese, Jonas Vauth, Sören Weigel, Michael Wilke und Lukas Zerbst

Karin Hollweg Preis

Ausgezeichnet wurden bereits das dilettantin produktionsbüro (Anneli Käsmayr und Jenny Kropp zusammen mit Claudia Heidorn, Anna Jandt und Alberta Niemann) (2007), Verena Johanna Müller (2008), Christian Haake (2009), Nicolai Schorr (2010), Noriko Yamamoto (2011), Janis E. Müller (2012), Franziska Keller (2013), Z. Schmidt (2014), Tobias Heine (2015), Claudia Piepenbrock (2016), Felix Dreesen (2017) und Zhe Wang (2018).

Preisträger*innen 2019

Mattia Bonafini und Luisa Eugeni, Foto: Ricardo Nunes

Die Jury freut sich, den Karin Hollweg Preis 2019 an Mattia Bonafini und Luisa Eugeni zu vergeben. Ihre multimediale Arbeit Das Stehende Sein zeichnet sich durch eine präzise formale Umsetzung und souveräne räumliche Inszenierung aus. Sound, Performance, Video und installative Elemente verbinden sich zu einem offenen Gesamtgefüge, das zur Partizipation der Betrachter*innen einlädt. Die transdisziplinäre Kollaboration von Bonafini und Eugeni unterstreicht dabei eine besondere Qualität der Hochschule für Künste in Bremen, deren vielgestaltige Studiengänge solche grenzübergreifenden Werke möglich macht.

Das Stehende Sein von Bonafini und Eugeni bezieht darüber hinaus auch die Geschichte des Raumes und die architektonische Situation vor Ort auf kluge Weise ein. Die Arbeit führt verschiedene Referenzpunkte fragmentarisch zusammen, ohne in ein Narrativ zu verfallen. Auf diese Art reflektiert sie formal wie inhaltlich überzeugend die Unmöglichkeit von Kommunikation.

Die Jury beglückwünscht Mattia Bonafini und Luisa Eugeni!

Mattia Bonafini (*1980 in Legnago, Verona, Italien) studierte als Meisterschüler an der HfK Bremen Bildende Kunst bei den Professoren Markus Löffler und Andree Korpys. Er studierte in Bremen zudem elektroakustische Komposition bei Prof. Kilian Schwoon, wie auch bei Francesco Giomi und Lelio Camilleri in Bologna, bei Andrew Bentley in Helsinki und Instrumentalkomposition bei Carlo De Pirro in Rovigo und Paolo Aralla in Bologna. Bebo Ferra war sein Jazz-Gitarrenlehrer in Mailand. Bonafini arbeitet mit elektronischer und instrumentaler Musik, Video und Licht. Sein Fokus liegt auf leisen, langen und sich langsam entwickelnden Klängen. Zuletzt arbeitete Mattia Bonafini an der Verbindung von Klang und Licht, Videos und Sprache.

Luisa Eugeni (*1987 in Assisi, Italien) schloss 2011 ein Studium der Politikwissenschaften an der Università degli Studi di Perugia  (Italien) ab mit einer Abschlussarbeit in politischer  Philosophie  über das Thema „Staat,  Individuum und Freiheit in den Werken von John Stuart Mill“.  Nach einem Jahr  in London, wo sie an dem South Thames  College studierte, ist sie 2013 für das Kunststudium nach Deutschland gezogen, studierte in der Klasse Intermediale Fotografie bei Professorin Rosa Barba an der HfK Bremen, bei der sie 2018 ihr Diplom ablegte. In 2014 erhielt sie ein DAAD Reisestipendium nach Guelph, Kanada. Seit 2016 ist Luisa Eugeni Stipendiatin des Cusanuswerks. Die letzten Jahre sind geprägt durch längere Auslandsaufenthalte, internationale Ausstellungen, artist residencies und eigene Kunstprojekte u.a. in Deutschland, Kanada, Italien, China.  Seit 2017 realisierte die Künstlerin mehrere Arbeiten in Kollaboration mit dem Ensemble des Bremer Theaters.

Begleitprogramm

Lange Nacht der Bremer Museen
Samstag, 25. Mai 2019, 18 bis 1 Uhr, 12,-/9,- Euro
20:15 Uhr: Meisterschüler*innen im Gespräch mit Kurator Ingo Clauß
21 und 23 Uhr: DAS STEHENDE JETZT. Eine multimediale Oper von Mattia Bonafini und Luisa Eugeni

Kuratorenführung
Donnerstag, 6. Juni 2019, 18 Uhr, Eintritt zzgl. 3,- Euro

Katalogrelease mit Künstler*innengespräch
Mittwoch, 3. Juli 2019, 19 Uhr, Eintritt zzgl. 3,- Euro

Meisterschüler*innenvorträge
zum Studienabschluss in der Freien Kunst in der Weserburg
Mittwoch, den 10. Juli 2019, 19 Uhr, Eintritt frei
Mit Mattia Bonafini, Tobias Becker, Luisa Eugeni, Sara Förster, Hairihan, Vincent Haynes, Luan Lamberty, Rima Radhakrishnan, Hassan Sheidaei und Michael Wilke