So wie wir sind 4.0

08.10.2022 - 13.08.2023
Sturtevant, Warhol Flowers, 1964-1968, Leihgabe SÛ Collection

So wie wir sind 4.0 stellt rund 100 Werke von mehr als 80 Künstler*innen und -gruppen aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten zusammen. Fünf Themenareale auf 2.500 m² geben Einblick in die internationale Kunst von den 1960er Jahren bis in die heutige Zeit: Körperwelten, Deutschlandbilder, Ästhetischer Widerspruch, Ver-rückter Alltag und Minimalistische Tendenzen. Ergänzt werden diese thematischen Setzungen von einer Reihe von Künstler*innenräumen und einer außergewöhnlichen Kunstbar, einem ehemaligen Filmset. Auf diese Weise ergeben sich unerwartete Lesarten der Kunst der Gegenwart quer durch alle Medien.

Die ausgestellten Arbeiten speisen sich aus einer Vielzahl von privaten Sammlungen, aus den eigenen Beständen und aus Leihgaben von Künstler*innen.

Kuratiert von Ingo Clauß und Janneke de Vries

 

Ausstellung auf Ebenen 1, 2 und 5

 

 

Mit freundlicher Unterstützung durch

Museumsfreunde Weserburg

Serielle Sammlungspräsentation

Renzo Martens, Cedart Tamasala drawing Balot in the White Cube, still from Plantations and Museums, Human Activities, 2021
Miriam Cahn, Zähnefletschen, 2018, Family Collection Pitrowski-Rönitz

„Was 2019 als Neuausrichtung an den Start ging, hat sich als erfolgreiches Format für die Weserburg Museum für moderne Kunst etabliert. So wie wir sind ist als serielle Sammlungspräsentation in mehreren Teilen angelegt und wird in regelmäßigen Abständen umfangreich variiert. Arbeiten kommen neu hinzu, wechseln ihren Ort oder verschwinden, Werkkonstellationen werden durchmischt und Themenareale überarbeitet – in einer Form, die kritische Befragung und entdeckungsfreudigen Wandel zum Prinzip erhebt.“
Janneke de Vries, Direktorin

So wie wir sind 4.0 nimmt zum Teil brisante Themen in den Blick. So verbinden CATPC und Renzo Martens postkolonialistische Fragen mit einem so perfiden wie klugen Kommentar auf den Kunstmarkt. Im Zentrum stehen dabei skulpturale Menschenbilder aus Schokolade, die ein Kollektiv im Kongo anfertigt, sowie ein Film, der die Suche nach einer kongolesischen Stammesfigur durch die westliche Welt begleitet. Elaine Sturtevant stellt mit ihren Werken dagegen die Frage nach den Wertigkeiten und Hierarchien im männlich dominierten Kunstbetrieb, hier kombiniert mit dem Warhol’schen „Original“.

Viele der ausgestellten Positionen kreisen um die Frage unseres Zusammenlebens in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Die Miniaturlandschaften mit Häusern inmitten trostloser Abrissgebiete von Ahmet Öğüt zeigen z.B. die Kraft zivilen Widerstands auch gegen scheinbar übermächtige Gegner. Tim Reineckes Abguss einer Behördenpflanze oder Wolfgang Müllers FDP-Wahlstand entwerfen humorvoll-triste Bilder deutscher Wirklichkeit, in denen durchaus verborgene Poesie schlummert. Tracey Moffatt entlarvt das Hollywood-Klischee, das wir „Liebe“ nennen. Und Sarah Ortmeyers Installation aus zusammengelegten Flaggenstoffen nimmt Geschichte auseinander und deckt dabei ungeahnte Strukturen auf.

So wie wir sind 4.0 thematisiert aber auch, wie wir unseren Körper betrachten. Gemälde von Miriam Cahn oder Tracey Emin zeigen eindrückliche Frauenbildnisse zwischen sinnlich-anziehend und zähnefletschend-wehrhaft. Dagegen erscheinen die Skulpturen von Laure Prouvost und Juan Muñoz wie surrealistische Traumbilder. Franz-Erhard Walthers Stoffskulpturen oder Nevin Aladağs Wandinstallation wiederum nehmen den menschlichen Körper in den Blick, indem sie sich mit dessen aktiver Nutzung verbinden.

Künstler*innen

Nevin Aladağ, Carl Andre, Maria José Arjona, Monica Bonvicini, Carol Bove, George Brecht, Miriam Cahn, CATPC, Mel Chin & GALA Committee, Claudia Christoffel, Thomas Demand, Braco Dimitrijević, Felix Droese, Tracey Emin, Claire Fontaine, FORT, Kasia Fudakowski, Simon Fujiwara, Jochen Gerz, Paul Graham, Hans Haacke, Raymond Hains, Barbara Hammer, David Hepp, Nadira Husain, Sven Johne, Rolf Julius, Alevtina Kakhidze, Šejla Kamerić, Ellsworth Kelly, Annette Kelm, Alicja Kwade, Zoe Leonard, Renzo Martens & CATPC, Allan McCollum, John McCracken, Isa Melsheimer, Tracey Moffatt, Jonathan Monk, Horst Müller, Wolfgang Müller, Juan Muñoz, Henrike Naumann, Cady Noland, Oswald Oberhuber, Ahmet Öğüt, Marcel Odenbach, Roman Ondák, Sarah Ortmeyer, Michael Pfisterer, Claudia Piepenbrock, Agnieszka Polska, Charlotte Posenenske, Bettina Pousttchi, Laure Prouvost, Rima Radhakrishnan, Tim Reinecke, Pipilotti Rist, Julian Röder, Ed Ruscha, Michael Sailstorfer, Takako Saito, Fred Sandback, Karin Sander, Andreas Schmitten, Norbert Schwontkowski, Richard Serra, David Shrigley, Lorna Simpson, Slavs & Tatars, Andreas Slominski, Kathrin Sonntag, Daniel Spoerri, Sturtevant, Walter Swennen, Tatjana Trouvé, Gavin Turk, Ulay, Kaari Upson, Franz-Erhard Walther, Andy Warhol, Erwin Wurm, Yin Xiuzhen, Nil Yalter

 

Beteiligte Sammlungen

Art Collection Telekom, Art’Us Collectors‘ Collective, Sammlung Karl Gerstner/Sammlung aus Privatbesitz, Sammlung Gräfling, Sammlung Haus N, Sammlung von Kelterborn, Sammlung Ole Koch, Sammlung Lafrenz, Sammlung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale, Miettinen Collection, Family Collection Pitrowski-Rönitz, Sammlung Reydan Weiss, Sammlung Maria und Walter Schnepel, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Sammlung Christian Kaspar Schwarm, Sammlung Seinsoth, Sammlung Gerhard und Elisabeth Sohst, Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl, Sammlung Boner & Spiegelberger Stiftung, SÛ Collection, Sammlung Wemhöner, Sammlung Ivo Wessel, Sammlung Weserburg Museum für moderne Kunst  sowie zahlreiche Leihgeber*innen, die ungenannt bleiben möchten.

 

Fokus: Norbert Schwontkowski

Norbert Schwontkowski, o.T., o.J., Privatbesitz Bremen

2019 gelangten rund 210 Einzelwerke von Norbert Schwontkowski (geb. 1949 in Blumenthal, gest. 2013 in Bremen) aus der Sammlung Brigitte und Udo Seinsoth dauerhaft in die Weserburg Museum für moderne Kunst. Seither ist ein Künstlerraum zu Norbert Schwontkowski fester Bestandteil des Ausstellungsformats So wie wir sind. Die Werkauswahl und deren inhaltliche Gewichtung werden dabei in regelmäßigen Abständen variiert.

Für So wie wir sind 4.0 wurden zwei Leinwandarbeiten aus der Sammlung Seinsoth um Werke aus Bremer Privatbesitz ergänzt – Werke, die ihre Besitzer*innen seinerzeit in der Galerie beim Steinernen Kreuz bei Brigitte Seinsoth erworben haben. Das Ergebnis zeigt damit zum einen Arbeiten aus Bremer Privatsammlungen, die zum großen Teil zum ersten Mal öffentlich zugänglich sind. Darüber hinaus unterstreicht es auch die besondere Bedeutung, die die Galerie Seinsoth für den Künstler Norbert Schwontkowski wie auch für das Bremer Kulturleben hatte.

Die Motive der ausgewählten Werke geben einen exemplarischen Einblick in die großen Themen menschlicher Existenz, die den Kern von Schwontkowskis künstlerischem Denken bilden. Seine Bilderzählungen sind zumeist melancholisch und skurril, poetisch und humorvoll zugleich. Der Mensch steht im Mittelpunkt: suchend, fragend und einsam auch in der Menge, inmitten eines in erdhaften Farben angelegten, seltsam leeren Bildgrunds. Licht, natürliches wie künstliches, wird punktuell eingesetzt, unterstreicht die malerischen Atmosphären und dient sinnbildlichen, durchaus humorvoll-ironisch gemeinten Vorstellungen von der Erleuchtung, nach der wir alle streben mögen.

Ein weiteres, häufig vorkommendes Motiv im Schaffen des Norddeutschen Schwontkowski sind Boote und Schiffe. Doch geht es ihm nicht um das Maritime, sondern auch hier um das menschliche Dasein, um die Suche, das Aufbrechen, die Reise in ein Ungewisses und um die Sehnsucht, am Ende einer Reise endlich anzukommen.

Die beiden bisherigen Versionen der Schwontkowski-Künstlerräume aus den Ausstellungen So wie wir sind 2.0 und 3.0 sind über virtuelle 360Grad-Rundgänge erlebbar und dort mit zusätzlichen Informationen hinterlegt: Zum virtuellen Showroom

Die Weserburg dankt allen beteiligten Leihgeber*innen.

Kunstbar in der Ausstellung

Mel Chin & GALA Committee, Melrose Place / Shooters Bar, 1996, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Foto: Tobias Hübel
Mel Chin & GALA Committee, Melrose Place / Shooters Bar, 1996, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Foto: Tobias Hübel
Mel Chin & GALA Committee, Melrose Place / Shooters Bar, 1996 (Detail), Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Foto: Tobias Hübel
Mel Chin & GALA Committee, Melrose Place / Shooters Bar, 1996 (Detail), Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Foto: Tobias Hübel

Die Shooter’s Bar – eine Künstlerbar für die Weserburg Museum für moderne Kunst. Die Bar, ein ehemaliger Filmset, war ein wichtiger Spielort innerhalb der US-amerikanischen Fernsehserie Melrose Place, die in den 1990er Jahren außerordentlich populär war. Die Arbeit von Mel Chin & GALA Committee umfasst das Design der Bar wie auch die dahinter ausgestellten Flaschen in den Regalen und zahlreiche, weitere Requisiten.

Die Bar ist eine Schenkung des Sammlerpaares Gaby und Wilhelm Schürmann an die Weserburg Museum für moderne Kunst und das Museum Abteiberg in Mönchengladbach und wird für die nächsten Jahre fest in der Weserburg installiert. Dort ist sie nicht nur Ort der Reflektion über die Verschmelzungen von Pop Kultur, politischem Protest und Bildender Kunst, sondern wird auch als tatsächliche Bar, z.B. als Treffpunkt für ein Getränk nach Veranstaltungen genutzt.

Weitere Infos zum Hintergrund:

In the Name of the Place war ein umfangreiches kollaboratives Projekt, das Mel Chin zwischen 1995 und 1997 mit dem Studierenden-Kollektiv GALA Committee umgesetzt hat. Dafür haben die Künstler*innen Werke mit gesellschaftskritischem Inhalt in Form von Requisiten in die Staffeln 4 und 5 der US-amerikanischen Fernsehserie Melrose Place eingeschleust, als eine Art subversives Product Placement. Autor*innen und Produzenten von Melrose Place waren eingeweiht in die Unternehmung, so dass geplante Serienhandlung und künstlerische Infiltrierung Hand in Hand gehen konnten. Nach Abschluss der Staffeln wurden die Werke bei Sotheby’s versteigert. Der Erlös ging an Bildungsprojekte in den USA. Die Weserburg zeigt eine kleine, aber feine Auswahl aus den insgesamt rund 150 künstlerischen Requisiten, die ihren Weg in die Serie gefunden haben.

 

 

Angebote für Schulen

Juan Muñoz, Miroir et cuillière, 1997, Leihgabe SÛ Collection

Für Schulklassen wurden spezielle Führungen entwickelt, auf Anfrage mit Themenschwerpunkten:

45 Euro, 60 Minuten
75 Euro, 90 Minuten mit Praxisanteil

1. Entdeckungstour: Highlights der Ausstellung

In einem spannungsreichen Nebeneinander von Malerei, Fotografie, Objekt- und Installationskunst können die Schüler*innen Gegenwartskunst erleben und gemeinsam den multiperspektivischen Blick auf Themen wie Körperwelten, Ver-rückter Alltag oder Minimalistische Tendenzen erproben.

Überblicksführung für Primarstufe, Sek I und Sek II: 60 Minuten

2. Objektkunst: Formen und Materialien

Eine krumme Gurke als Skulptur, ein riesenhafter Teddybär oder vergoldete Kohle-Briketts… und Objektkunst, die nicht immer nur allein für das Auge bestimmt ist. Nach Handlungsanweisungen von George Brecht werden in Kleingruppen verschiedene Alltagsgegenstände (performativ) in Kunst verwandelt. Es werden Fotos gemacht, die dann für die Weiterarbeit im Schulunterricht verwendet werden können.

Führung mit Praxisanteil für Primarstufe, Sek I und Sek II: 90 Minuten

3. Deutschlandbilder: Wie und wo wir miteinander leben

Was ist Deutschland heute? Wo stehen wir? Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben und was kann uns über politische, ideologische oder religiöse Gräben hinweg verbinden? Unterschiedliche Schwerpunkte und Themen entwerfen mit Hilfe von Film, Skulptur, Audio, Malerei, Fotografie oder Installation ein vielgestaltiges Bild von Deutschland und können als Ideensammlung im Schulunterricht bereichernd fortgesetzt werden.

Führung mit Praxisanteil für Sek I und Sek II: 90 Minuten

4. Körperwelten: Vielfalt und Diversität in Kunst und Gesellschaft

Was ist typisch Mensch? Im Fokus dieser Führung stehen Menschenbilder, die die jeweiligen Besonderheiten unterschiedlicher kultureller Identitäten berücksichtigen und ästhetisch reflektieren. Fragen zu Nationalität, ethnischer Herkunft, Rassismus und Selbstermächtigung können in gemeinsamen Gesprächen und im kreativen Austausch mit den eigenen Empfindungen und Vorstellungen von gesellschaftlicher Vielfalt und Diversität formuliert und sichtbar gemacht werden.

Führung mit Praxisanteil für Sek I und Sek II: 90 Minuten

 

Schutz- und Hygienevorschriften

Es gilt die Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronaverordnung), Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen in ihrer jeweils gültigen Fassung. Aktuelle Informationen finden sie hier

Informationen und Buchungsanfragen

Weserburg Museum für moderne Kunst
Teerhof 20, 28199 Bremen
Germany

Bürozeiten:
Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr
+49 (0)421 59839-0
info@weserburg.de

 

 

Führungen buchen

80,– Euro zzgl. Eintritt, Gruppen bis 25 Personen
Eine Anmeldung ist erforderlich!

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