Susan Philipsz, Glass Track

Soundarbeit im Hans Otte. Klanghaus

21.02.2026 - bis auf Weiteres
Ein großer weißer, leerer Raum mit Spitzgiebel. Licht fällt durch die Fenster an der Stirnseite.
Hans Otte. Klanghaus, Foto: Tobias Hübel

Die Klanginstallation Glass Track (2012) der schottischen Künstlerin Susan Philipsz ist ein exemplarisches Beispiel für ihre Arbeit mit Klang, Raum und Erinnerung. Philipsz ist bekannt für ihre meist ortsspezifischen Klanginstallationen, die mit ihrer eigenen, ungeschulten Stimme, Alltagsgegenständen als Instrumenten oder ungewöhnlichen Tönen von klassischen Instrumenten arbeiten. Sie nutzt Klang, um Räume neu zu definieren und emotionale Reaktionen hervorzurufen.

In Werken wie Study for Strings (2012) zum Beispiel, isoliert sie einzelne Instrumentalstimmen aus bestehenden Kompositionen und platziert sie in spezifischen räumlichen Kontexten, um Themen wie Verlust, Abwesenheit und Erinnerung zu erforschen. Das hier installierte Stück Glass Track verfolgt ein ähnliches Konzept und integriert Glas als akustisches und symbolisches Element. Glas steht sowohl für Transparenz als auch für Zerbrechlichkeit – beides häufige Themen in Philipsz‘ Werk. Die Installation beinhaltet Klänge, die durch oder mit Glas erzeugt werden oder sich assoziativ anschließen. Mit Glass Track setzt Philipsz ihre Erkundung der emotionalen Resonanz von Klang und Raum fort und verwandelt das Hans Otte.Klanghaus der Weserburg in einen poetischen Ort, an dem hoch über der Weser die Beziehungen zwischen Klang, Material, Erinnerung und Zuhörer*innen verschmelzen.

Zur Person

Susan Philipsz wurde 1965 in Glasgow geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Bildhauerei am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee und erwarb einen Masterabschluss an der University of Ulster in Belfast. 2010 erhielt sie als erste Klangkünstlerin den renommierten Turner Prize für ihre Arbeit Lowlands, eine Klanginstallation unter drei Brücken in Glasgow, in der sie das traditionelle schottische Lied Lowlands Away sang. Philipsz‘ Werk wurde international ausgestellt, unter anderem bei der documenta 13 in Kassel und im Museum of Modern Art in New York. Sie unterrichtet seit 2019 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.

Hans Otte. Klanghaus

Zwischen 1989 und 1991 hat der renommierte Bremer Komponist für Neue Musik Hans Otte die interaktive Klanginstallation Klanghaus für den Giebelraum der Weserburg entwickelt. Die Besucher*innen konnten durch acht verschiedene Klangzonen schreiten, die sich an „Atem, Wind, Prana, weißes oder ozeanisches Rauschen“ (Hans Otte) anlehnten. Die vielfältigen Qualitäten des Klanges wurden per Bewegungsmelder aktiviert.

Nach drei Jahrzehnten ständiger Präsenz kann die Klanginstallation aufgrund überalteter Technik nun nicht mehr in der Form präsentiert werden, wie sie ursprünglich von Hans Otte konzipiert wurde. Das Werk musste daher abgeschaltet werden. Der Name des Raums als Hans Otte. Klanghaus bleibt jedoch.

Und auch die Klangkunst bleibt. In Gedenken an diese für die Geschichte der Weserburg so wichtige Arbeit von Hans Otte wird der Raum auch zukünftig dem Klang gewidmet bleiben. Seit 2024 sind dort zeitgenössische Soundpieces internationaler Künstler*innen zu hören.

Ergänzt werden die Soundinstallationen durch zwei Textarbeiten des US-amerikanischen Künstlers Lawrence Weiner (*1942) an den Seitenwänden des Raums.