So wie wir sind

23.09.2023 - bis auf Weiteres
Via Lewandowsky, Hansi Goes Down, 2009, Sammlung Haus N, Foto: Eric Tschernow © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Mit insgesamt über 200 Werken von 100 Künstler*innen und -gruppen aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten gibt es in der Sammlungsausstellung  So wie wir sind  jede Menge Entdeckungen zu machen. Themenareale auf 2.500  m² formulieren eine Vielzahl unterschiedlicher Setzungen von den 1960er Jahren bis heute.

So gibt es Räume zu politischen, kontemplativen oder menschlich überformten Landschaften, zu Deutschlandbildern, zur Liebe mit all ihren Klischees, zu geschlechtlichen Identitäten, zu Fragen von Überwachung und Kontrolle, aber auch zum Konzept Malerei, zur vertikalen Form oder der Vielfalt des Schwarzen. Kunsthistorische Fragestellungen stehen damit ebenso im Fokus wie gesellschaftspolitische Diskurse. Haltungen aus den 1960er/1970er Jahren werden in die Gegenwart weiterentwickelt, renommierte Namen werden von (noch) unbekannteren Positionen herausgefordert und die klassische Kunstgeschichte neu gelesen.

Als verbindender roter Faden zieht sich das Potential von Kunst durch die Ausstellung, widerständige Sichtweisen auf das Bekannte zu entwickeln, überraschende Perspektiven auf das einzunehmen, was uns alle verbindet, und so spannende, ungewöhnliche, kluge, humorvolle, poetische oder schonungslose Grundlagen anzubieten, um sich den großen Fragen unserer Zeit über die Kunst anzunähern.

„Eine Ausstellung für alle, die Kunst lieben oder jetzt damit anfangen wollen.“  Weser- Kurier

Ausstellung auf Ebenen 1 und 2

Kuratiert von Ingo Clauß und Janneke de Vries

Mit freundlicher Unterstützung durch

Lebendige Sammlungspräsentation

Karin Sander, Paprika (kitchen pieces), 2012 & Lauch (kitchen pieces), 2012, Sammlung Stadler, Photo: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

So wie wir sind ist als lebendige Sammlungspräsentation angelegt, die regelmäßig variiert wird. Kunstwerke kommen von Zeit zu Zeit neu hinzu, wechseln ihren Ort oder verschwinden, Werkkonstellationen werden durchmischt, Themenareale überarbeitet und neue Künstler*innenräume geschaffen – in einer Form, die kritische Befragung und entdeckungsfreudigen Wandel zum Prinzip erhebt. Um dieser Idee zukünftig noch besser Rechnung zu tragen, weichen die großen, jährlichen Wechsel, die das Format seit 2019 bis hierher bestimmt haben, zukünftig kleineren oder größeren Veränderungen, die sich fortlaufend vollziehen werden. Auf diese Weise bleibt die Sammlungspräsentation als solche durchgängig für das Publikum zugänglich und bietet zugleich auch für Mehrfachbesucher*innen immer wieder neue Kunsterlebnisse.

Grundlage für So wie wir sind bilden Leihgaben von über 30 internationalen Privat- und Unternehmenssammlungen, die eng mit der Weserburg verbunden sind, sowie ergänzende Leihgaben von Künstler*innen und Galerien und Werke aus dem eigenen Bestand.

„Was 2019 als Neuausrichtung und Experiment an den Start ging, hat sich in den vergangenen vier Jahren als erfolgreiches Format für die Weserburg Museum für moderne Kunst etabliert. Seit Einführung von So wie wir sind in 2019 können wir eine Verdopplung der mit dem Haus kooperierenden Sammlungen verzeichnen. Das ist nicht nur eine wunderbare Bestätigung unseres eingeschlagenen Wegs, sondern auch eine Zukunftssicherung für die Weserburg als Sammler*innenmuseum in und für Bremen.“ Janneke de Vries, Direktorin

Fokus: Sibylle Springer

Künstlerinnenraum Sibylle Springer, Ausstellungsansicht Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen © VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Tobias Hübel

Die Arbeiten von Sibylle Springer (*1975 in Münster) zeichnen sich durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte aus. Mit kritischem Blick hinterfragt sie die männlich dominierte Tradition der Malerei und rückt vergessene oder marginalisierte Künstlerinnen ins Zentrum. Sie zitiert Gemälde aus früheren Jahrhunderten, überträgt sie in ihre eigene Bildsprache und befragt die historischen Vorläuferinnen aus einer dezidiert zeitgenössischen Perspektive.

Für die Weserburg hat Springer eine raumgreifende Teppichinstallation geschaffen, die ihre malerische Präzision in das Medium Textil überträgt. Die Arbeit nimmt ein Detail aus einem Blumenstillleben der niederländischen Malerin Rachel Ruysch (1664–1750) auf: eine Blüte mit Fliege, stark vergrößert und perspektivisch verzerrt. Diese Transformation schafft ein zeitgenössisches „Vanitas-Motiv“, das nur aus bestimmten Blickwinkeln erkennbar ist, und macht zugleich das Werk einer lange übersehenen Künstlerin sichtbar.

Springers Arbeiten, wie auch die Installation fly, leisten einen wichtigen Beitrag zur Revision und Neubewertung kunsthistorischer Narrative. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich Traditionen aus einer eigenständigen künstlerischen Position hinterfragen und neu denken lassen. Die Realisierung des Kunstwerks wurde durch die Museumsfreunde Weserburg und die ARTHENA FOUNDATION ermöglicht, mit Unterstützung der Hamburger Kunsthalle.

Fokus: Norbert Schwontkowski

Norbert Schwontkowski, Dorian Gray, 2011, Family collection Pitrowski-Rönitz, Photo: Tobias Hübel

2019 gelangten rund 210 Einzelwerke von Norbert Schwontkowski (geb. 1949 in Blumenthal, gest. 2013 in Bremen) aus der Sammlung Brigitte und Udo Seinsoth dauerhaft in die Weserburg Museum für moderne Kunst. Seither ist ein Künstlerraum zu Norbert Schwontkowski fester Bestandteil des Ausstellungsformats So wie wir sind. Die Werkauswahl und deren inhaltliche Gewichtung werden dabei in regelmäßigen Abständen variiert.

Es gibt einige wiederkehrende Motive bei Norbert Schwontkowski. Eines davon ist der menschliche Kopf, der sich in allen Zeiten und in unterschiedlichsten Ausformungen durch seine Arbeiten zieht. Entsprechend fokussiert sich diesmal der Künstlerraum in der Weserburg auf dieses Motiv und spielt es anhand von Gemälden, Grafiken und bildhauerischen Werken durch. Der Hauptbestandteil der Werke stammt aus der Sammlung Seinsoth und wird ergänzt mit Arbeiten aus der Sammlung der Städtischen Galerie Bremen und einem Gemälde aus der Sammlung Pitrowski-Rönitz.

Frühere Versionen der Schwontkowski-Künstlerräume aus den Ausstellungen So wie wir sind 2.0 und 3.0 sind über virtuelle 360 Grad-Rundgänge erlebbar und dort mit zusätzlichen Informationen hinterlegt: Zum virtuellen Showroom

Künstler*innen

Nevin Aladağ, Francis Alÿs, Tamina Amadyar, Carl Andre, Kader Attia, Phyllida Barlow, Hicham Berrada, Achim Bertenburg, Julius von Bismarck, Patrick Bongoy, Geta Brătescu, Rahel Bruns, Angela Bulloch, Miriam Cahn, Louis Cane, Claudia Christoffel, Claire Fontaine, Mel Chin & GALA Committee, William N. Copley, Paul Czerlitzki, Jeremy Deller, Braco Dimitrijević, Marcel Duchamp, Ólafur Elíasson, Iran do Espírito Santo, Jan-Paul Evers, Larissa Fassler, Kasia Fudakowski, Simon Fujiwara, Isa Genzken, Terike Haapoja, Petrit Halilaj, Toulu Hassani, Mona Hatoum, Lena Henke, David Hepp, Sabine Hornig, Mauricio Kagel, Šejla Kamerić, Kitty Kraus, Alicja Kwade, Zoe Leonard, Ghislaine Leung, Via Lewandowsky, John McCracken, Michaela Melián, Tracey Moffat, Horst Müller, Juan Muñoz, Jean-Luc Mylayne, Ruben Ochoa, Ahmet Öğüt, Murat Önen, Roman Ondak, Paul Pfarr, Claudia Piepenbrock, Charlotte Posenenske, Bettina Pousttchi, Laure Prouvost, Ariel Reichman, Anys Reimann, Tim Reinecke, Aurora Reinhard, Pipilotti Rist, LaRissa Rogers, Jonas Roßmeißl, Julika Rudelius, Fred Sandback, Karin Sander, Ngozi Ajah Schommers, Norbert Schwontkowski, Ul Seo, Paul Mpagi Sepuya, Richard Serra, Qui Shihua, Santiago Sierra, Marianna Simnett, Andreas Slominski, Daniel Spoerri, Sibylle Springer, Elaine Sturtevant, Mari Sunna, Iiu Susiraja, Joëlle Tuerlinckx, Gavin Turk, Anna Uddenberg, Ulay, Jorinde Voigt, Kara Walker, Franz Erhard Walther, Andy Warhol, Grace Weaver, Claudia Wieser, Cathy Wilkes, Sonja Yakovleva, Nil Yalter, Catherine Yass, Heimo Zobernig

Beteiligte Sammlungen

Arndt Collection, Art Collection Telekom, Art’Us Collectors’ Collective, Sammlung Freie und Hansestadt Bremen/Städtische Galerie Bremen, Sammlung Gräfling, Sammlung Haubrok, Collection of Ryan Jefferies, Sammlung Haus N, Sammlung von Kelterborn, Sammlung Lafrenz, Sammlung NORD/LB Norddeutsche Landesbank Girozentrale, Miettinen Collection, Family Collection Pitrowski-Rönitz, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Sammlung Seinsoth, Sammlung Gerhard und Elisabeth Sohst, Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl, Sammlung Boner & Spiegelberger Stiftung, Sammlung Stadler, SÛ Collection, Sammlung Reydan Weiss, Sammlung Wemhöner, Sammlung Ivo Wessel, Sammlung Weserburg Museum für moderne Kunst sowie zahlreiche ungenannte Leihgeber*innen

Führungen buchen

Isa Genzken, Weltempfänger, 1987, 1990, 1991, 1992, 2016, Privatsammlung/Private collection, Photo: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2024
Mel Chin & GALA Committee, Melrose Place / Shooters Bar, 1996, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Photo: Tobias Hübel

Unsere öffentlichen Führungen sind kostenfrei und im Eintrittspreis enthalten. Darüber hinaus können Sie für sich und Gruppen auch Privatführungen durch die Ausstellungen und Sammlungen der Weserburg buchen, in deutscher oder englischer Sprache, auf Anfrage auch zu speziellen Themen oder in weiteren Sprachen.

Ab 100 Euro, zzgl. Eintritt
Maximal 25 Personen pro Führung (ab 60 Minuten)

Kunst und Cocktail

Ein Hauch von Hollywood in Bremen: Die Shooter’s Bar in der Weserburg verbindet Kunst und Popkultur auf einzigartige Weise. Ursprünglich ein Filmset der erfolgreichen US-Serie Melrose Place aus den 1990er Jahren, ist sie heute beides zugleich: Kunstwerk und stilvolle Bar für besondere Momente. In den Staffeln 4 und 5 integrierten Mel Chin und das GALA Committee gesellschaftskritische Kunstwerke in US-Serie. Neben der Shooter’s Bar waren dies zahlreiche Requisiten, von denen heute ausgewählte Stücke in der Weserburg zu sehen sind.

Die Shooters Tour bietet einen vergnüglichen Rundgang durch die Weserburg und präsentiert ausgewählte Highlights der Sammlung. Nach der kurzweiligen Führung geht es in die Shooter’s Bar, wo Sie bei einem Cocktail spannende Geschichten rund um die Bar erfahren und genügend Zeit für gemeinsame Gespräche haben.

150 Euro zzgl. 15 Euro/p.P. (Eintritt und Cocktail)
5 bis max. 20 Personen  (Führung 40 Minuten / insgesamt 90 Minuten)
Eine Anmeldung ist erforderlich!

Informationen und Buchungsanfragen

Weserburg Museum für moderne Kunst
+49 (0)421 59839-0
info@weserburg.de

Angebote Schulklassen, Kitas und Jugendgruppen

Foto: Lukas Klose

Der Eintritt für Schulklassen, Kitas und Jugendgruppen ist frei.

Folgende Führungen können kostenpflichtig dazugebucht werden (max. 25 Personen pro Gruppe):

Entdeckungstour

Highlights der Ausstellung im Dialog mit euren Themen
100 Euro: 90 Minuten

Ausstellungsbesuch mit Atelierprogramm

180 Euro: 120 Minuten, inkl. Material

Mögliche Themenschwerpunkte im Atelierprogramm

1. Collage, Comic, Zines, Storytelling mit Kunst
2. Mixed Media: Farbe, Fläche und Form
3. Kunst, KI und Gesellschaft

Informationen und Buchungsanfragen

+49 (0)421 59839-0
info@weserburg.de

Comic zur Ausstellung

Titel in weiß auf hellblau. Eine gezeichnete Person in schwarzer Kleidung betrachtet ein Bild auf weißem Hintergrund.

Das sagt mir was

„Was will mir das Kunstwerk sagen?“ Diese Frage wird im Museum oft gestellt. Dabei reicht für die Antwort meist schon ein wenig Neugier und Fantasie – und auch ein bisschen Mut, um die eigenen Ideen zuzulassen. Vielleicht ist es nämlich gar nicht so wichtig, was das Kunstwerk sagen will, sondern vielmehr, was einem selbst durch den Kopf schießt, wenn man es ansieht. Auch wenn das vielleicht etwas ganz anderes ist, als andere dazu denken.

Dieses Heft gibt ein paar Beispiele für Geschichten und Ideen, die sich rund um die Kunst entwickeln können. Erfunden und gezeichnet hat sie der Comic-Künstler Max Baitinger. Es ist das zweite Heft seiner Art. Das erste Heft von Anna Haifisch gab bereits viele verrücktkomische Einblicke in die Kunst, die bei uns im Museum ausgestellt wird. Nun geht das Abenteuer weiter: Hier steht ein Vogel Kopf, eine Doppeluhr misst die Zeit in Zukunft und Vergangenheit oder es ist eine Türklinke zu sehen, der die Tür abhandengekommen ist. Oder eine eigentümlich glänzende Wandfläche, in der wir nicht nur die Kunst, sondern auch uns selbst wiedererkennen können.

Über das Lesen der kleinen Szenen im Heft hinaus lassen sich die gezeichneten Kunstwerke im Museum suchen und von Angesicht zu Angesicht mit den eigenen Geschichten verbinden.

21 x 27 cm
16 Seiten

Das Projekt „Das sagt mir was“ wurde gefördert durch den Senator für Kultur Bremen.

 

Der Comic kann im Online-Shop der Weserburg bestellt werden. Preis: 2,50 Euro