John Isaacs, The Architecture of Empathy (Pieta), 2012, Privatsammlung
Ausstellung | 20.05.2017 - 25.02.2018

Proof of Life / Lebenszeichen

Werke aus einer Privatsammlung
Der Turmbau zu Babel als Massaker. Der Künstler als toter Revolutionär. Ein Gotisches Fenster aus Schmetterlingsflügeln – Proof of Life vereinigt über 100 Gemälde, Skulpturen und Fotoarbeiten, die auf sinnliche und zugleich sinnstiftende Weise existentiellen Fragestellungen nachgehen. Ihre ästhetische Wucht zieht die Betrachter wie von selbst in den Bann. Das, was sie zeigen, knüpft an eine zum Teil weit zurückreichende Tradition wirkmächtiger Bilder an. Sie zitieren, verführen, irritieren, provozieren und thematisieren zugleich moralische Wertvorstellungen. Dazu gehört die Aufforderung, das Gesehene nicht nur historisch zu verorten, sondern auch ganz konkret auf die Gegenwart zu beziehen. Die Werke stammen aus einer in dieser Form noch nicht öffentlich gezeigten Privatsammlung. Proof of Life präsentiert eine präzise Auswahl mit zum Teil raumgreifenden, überaus eindrucksvollen Werken internationaler Kunststars wie Louise Bourgeois, Jake & Dinos Chapman, Anton Corbijn, Tracey Emin, Damien Hirst oder Daniel Richter.
Gavin Turk, Death of Marat, 1998, Privatsammlung
Gavin Turk, Death of Marat, 1998, Privatsammlung
Monument Stalagmite / Icolagnia, 2008, Privatsammlung
Monument Stalagmite / Icolagnia, 2008, Privatsammlung

Ein zentrales Werk der Ausstellung ist der als lebensgroße Vollplastik re-inszenierte „Tod des Marat“. Auf beeindruckende Weise verschmilzt der britische Künstler Gavin Turk hier das bekannte Bild von J.L. David aus dem Jahr 1793 mit seinem Selbstbildnis. Während es David darum ging, Marat als Märtyrer zu schildern und revolutionäre Tugenden und Ideale zu überhöhen, verbindet Turk in seinem Selbstbildnis die aktuelle Bedeutung der Kunst mit dem Scheitern der Ideale der Aufklärung und der Freiheit.

Proof of Life stellt die Frage, ob und warum derartige im Gedächtnis verankerte Bilder heute noch relevant sind. Sie zeigt, wie markante Vor-Bilder auf überraschende Weise aktualisiert und in neue Bilderfindungen verwandelt werden. Die künstlerischen Resultate sind zugleich faszinierend und schockierend, die mit ihnen möglichen ästhetischen Erfahrungen vielschichtig und erkenntnisstiftend. Sie werden zu Dokumenten und Sinnbildern der heutigen Zeit und damit zu Lebenszeichen gegenwärtiger Kultur.

„Die Ausstellung bezieht ihre Stärke aus der Wirkmacht der Bilder, die tiefere Erkenntnisse keineswegs ausschließt, sondern geradezu fördert. Die Werke lassen uns nicht in sprachloser Ehrfurcht erstarren, sondern lösen Verwunderung, Fragen und Zweifel aus, die wir unmittelbar auf die Gegenwart beziehen. Warum Kunst so etwas kann und wieso bestimmte uralte Motive nicht museal erstarrt, sondern weiterhin sehr lebendig sind, bilden zentrale Fragen dieser Ausstellung,“ Peter Friese, Direktor der Weserburg 

Wolfe von Lenkiewicz, Island of Death, 2011, Privatsammlung
Wolfe von Lenkiewicz, Island of Death, 2011, Privatsammlung
Patrick van Caeckenbergh, Model for 'The Christ before Jesus', 2014, Privatsammlung
Patrick van Caeckenbergh, Model for 'The Christ before Jesus', 2014, Privatsammlung

Mehrere ausgestellte Werke erweitern diese Fragestellungen auf bisweilen beklemmende Weise. Jake und Dinos Chapman nutzen die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel als Parabel des Zerfalls aller kulturellen Gemeinsamkeiten. In Form eines Modells mit unzähligen, erschreckend gewalttätigen Figuren zeigen sie das biblische Bauvorhaben als Massaker. Damien Hirst trägt wiederum ein monumentales Kirchenfenster zur Ausstellung bei. Doch anstelle bleigefasster farbiger Gläser ließ er Tausende von buntglänzenden und fluoreszierenden Schmetterlingsflügeln verarbeiten. Wie verwandelt sich Schmerz in Schönheit, Vergänglichkeit in Dauer? Wie wird Materie in Geist überführt, der profane Schmetterling zum Sinnbild der Seele? John Isaacs präsentiert eine 1:1 Adaption und Überformung der berühmten Pieta von Michelangelo aus Carrara Marmor. Das weltberühmte Motiv, die Madonna mit dem toten Körper Jesu auf dem Schoß, ist jedoch wie von einem dünnen Seidentuch bedeckt unserem Blick entzogen.

„Die Künstlerinnen und Künstler setzen kunst- und kulturgeschichtliche Zusammenhänge auf intelligente, bislang noch nicht gesehene Weise fort. Weder verklären sie Vorbilder, noch ahmen sie sie nach. Sie erneuern vertraute Sichtweisen, gleichviel ob sie der gegenständlichen oder abstrakten Kunst entstammen.“ Peter Friese, Direktor der Weserburg

 

Daniel Richter, Poor girl, 2005, Privatsammlung @ VG Bildkunst, Bonn 2017
Daniel Richter, Poor girl, 2005, Privatsammlung @ VG Bildkunst, Bonn 2017

Künstlerinnen und Künstler

Hilary Berseth, Louise Bourgeois, Berlinde de Bruyckere, Patrick van Caeckenbergh, Jake & Dinos Chapman, George Condo, Anton Corbijn, Thierry de Cordier, Danny Devos, Tracey Emin, Tom Friedman, Line Gulsett, Damien Hirst, Roni Horn, Thomas Houseago, John Isaacs, Sergej Jensen, Nadav Kander, Anne-Mie van Kerckhoven, Anselm Kiefer, Esther Kläs, Wolfe von Lenkiewicz, Alastair Mackie, Christian Marclay, Kate MccGwire, Richard Prince, Leopold Rabus, Daniel Richter, Terry Rodgers, Sterling Ruby, Richard Serra, Andres Serrano, Stephen Shanabrook, Mircea Suciu, Gavin Turk, Jonathan Wateridge.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Waldemar Koch Stiftung, der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, der Deutschen Factoring Bank und der Museumsfreunde Weserburg. Medienpartner ist das Nordwestradio. Die Weserburg wird institutionell gefördert vom Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen. 

Programm zur Ausstellung

  • Ausstellungseröffnung: Freitag, 19. Mai 2017. Eintritt frei
  • Lange Nacht der Bremer Museen: Samstag, 20. Mai 2017, 18 – 1 Uhr. 12 / 9 Euro
  • Internationaler Museumstag: Sonntag, 21. Mai 2017, 5 / 3 Euro
  • Podiumsdiskussion zum Thema „Privatsammlungen – Leihgeber und Partner“: Donnerstag, 1. Juni 2017, 19 Uhr, Eintritt frei. In der Reihe Zeitgenossen – Gespräche zur aktuellen Kunst
  • Lebensspuren - in Noten gezeichnet. Konzert mit Trio Axis und Krona Percussion: Donnerstag, 28. September 2017. Die 15. Symphonie Schostakowitschs in Bearbeitung für Klaviertrio und Schlagzeug.
  • Kinderkulturprojekt und Ausstellung: "Was Bilder erzählen". Kindergruppen aus Bremen und Bremerhaven entwickeln mit Künstlerinnen und Künstlern eigene Arbeiten. Gemeinsam erforschen sie, was Bilder mit uns tun und wir mit ihnen. Die begleitende Ausstellung wird am 25. Januar 2018 eröffnet. Ein Projekt von Quartier gGmbH, www.quartier-bremen.de
  • Weitere Termine werden in Kürze bekannt gegeben.
Foto: Frank Pusch
Foto: Frank Pusch

Freier Eintritt für Schulen

Die Weserburg lädt Schulen ein, die Ausstellung Proof of Life  kostenlos zu besuchen. Das Angebot wird durch die Waldemar-Koch-Stiftung ermöglicht. Eine Anmeldung ist erforderlich. Für Schulklassen aller Altersstufen wurden spezielle Führungen konzipiert – auf Anfrage mit Themenschwerpunkten (mit und ohne Praxisanteil):

  • Das Alte im Neuen – Zitate in der Kunst
  • Schönheit & Schrecken
  • Architektur im Bild – Ideen hinter den Bauten

Die Führungen können kostenpflichtig gebucht werden (Gruppenpreis Schüler): 40 Euro. Dauer: 60 Minuten. 60 Euro. Dauer: 90 Minuten mit Praxisanteil oder als dialogische Führung.

  • Lehrerinformationsveranstaltungen: Freitag, 9. Juni 2017 und Donnerstag, 15. Juni 2017, jeweils 17 – 18 Uhr. Eintritt frei. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Anmeldung und Buchung:
0421 59 8390 oder sekretariat(at)weseburg.de

 


Führungen buchen

Gruppen können Überblicksführungen und Ausstellungsbesuche zu speziellen Themen buchen.

Gruppenpreis: 80 Euro zzgl. Eintritt. Dauer: 60 Minuten. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen beschränkt. Für Gruppen bis zu 10 Personen fällt lediglich eine Führungsgebühr von 50 Euro zzgl. Eintritt an.

Anmeldung und Buchung:
sekretariat(at)weseburg.de

Freier Eintritt für Schulen

Das Angebot wird durch die Waldemar-Koch-Stiftung ermöglicht. Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Infos >>

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Erwachsene EUR 9
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